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Mindestens 28 Tote
Luftangriff auf Flüchtlingslager in Syrien

Damaskus. Ein Luftangriff auf ein Flüchtlingslager im Nordwesten Syriens nahe der Grenze zur Türkei hat nach Angaben oppositionsnaher Aktivisten mindestens 28 Menschen das Leben gekostet.

In dem Camp in einer von Rebellen gehaltenen Gegend in der Provinz Idlib lebten zwischen 1500 und 2000 Vertriebene, die vor den Kämpfen aus den umliegenden Provinzen Aleppo und Hama geflohen seien, sagte der Aktivist Mohammed al-Schafie. Zuvor waren bei zwei Bombenexplosionen im Zentrum des Landes mindestens zehn Menschen getötet worden, wie Staatsmedien und ein Gouverneur berichteten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, bei dem Luftangriff seien 28 Menschen getötet worden, während eine andere Aktivistengruppe, die Örtlichen Koordinierungskomitees, von mehr als 30 Toten sprach. In Aufnahmen in sozialen Medien waren verkohlte Körper zu sehen. Männer schütteten aus Eimern Wasser auf Feuer, die in dem Flüchtlingslager ausbrachen.

Das Weiße Haus bezeichnete den Angriff als "nicht zu verteidigen". Sprecher Josh Earnest sagte, es sei noch zu früh, um zu sagen, ob die Truppen von Präsident Baschar al-Assad dafür verantwortlich seien. Doch glaube er, dass keine Flugzeuge der USA oder der Koalition in dem Gebiet im Einsatz gewesen seien.

Die USA teilten mit, dass die Waffenruhe in der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo in wenigen Stunden ablaufen könnte.

Außenministeriumssprecher Mark Toner sagte, nach dem Verständnis der Vereinigten Staaten habe der 48-stündige Waffenstillstand am Mittwoch um 00.01 Uhr Damaszener Zeit begonnen. Demnach würde er um 00.01 Uhr am Freitag enden. Man bemühe sich um eine längerfristige Verlängerung der Einstellung der Feindseligkeiten, erklärte er.

Nach Angaben syrischer und russischer Beamter hat die Waffenruhe am Donnerstag begonnen, was bedeuten würde, dass sie am Samstag endet.

Die Feuerpause für Aleppo führte offenbar zu einem Rückgang der Kämpfe dort. US-Außenminister John Kerry sagte am Mittwoch, seit ihrem Beginn sei "ein allgemeiner Rückgang der Gewalt" zu beobachten.

Syrische Staatsmedien berichteten am Donnerstag, Rebellen hätten mehrere von der Regierung gehaltene Stadtviertel Aleppos beschossen.

Dabei sei eine Person getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Der Oppositionssender Halab Today TV meldete, in der Provinz Aleppo sei es relativ ruhig, allerdings habe es in einigen Dörfern Beschuss gegeben.

Bei zwei Bombenexplosionen in der Provinz Homs wurden nach Angaben von Staatsmedien und Gouverneur Talal Barrasi mindestens zehn Menschen getötet und Dutzende verletzt. Zunächst sei eine Autobombe auf dem Hauptplatz der Ortschaft Mucharam al-Faukani explodiert. Als sich Menschen versammelt hätten, um den Opfern zu helfen, habe ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in der Nähe seinen Sprengstoffgürtel zur Explosion gebracht. Unter den Toten seien vier Kinder und drei Frauen, berichtete das Staatsfernsehen.

Wer hinter dem Anschlag steckte, war zunächst unklar. Doch hat die Terrormiliz Islamischer Staat für mehrere ähnliche Angriffe in Homs die Verantwortung übernommen.

(gol/AFP)
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