Terrorangriff auf US-Botschaft in Damaskus: Syrien übt scharfe Kritik an USA-Politik
zuletzt aktualisiert: 12.09.2006 - 12:28Damaskus (rpo). Auf die US-Botschaft in Damaskus ist am Morgen eine Anschlag verübt worden. Islamische Extremisten feuerten offenbar mit Mörsergranaten auf das Gebäude. Ob eine Autobombe detonierte oder rechtzeitig entschärft werden konnte, ist zur Zeit noch unklar. Syrische Anti-Terror-Einheiten erschossen drei Bewaffnete. Ein vierter Angreifer wurde verletzt.
Auch ein Mitglied einer Antiterroreinheit wurde getötet, mindestens elf weitere Menschen erlitten nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur SANA Verletzungen, darunter ein chinesischer Diplomat. Amerikaner kamen nicht zu Schaden. Das syrische Innenministerium sprach von einem Terrorangriff.
Die syrische Botschaft in Washington hat den USA jetzt vorgeworfen, mit ihrer Politik Extremismus, Terrorismus und eine gegen die USA gerichtete Stimmung im Nahen Osten anzuheizen. Dass die Politik Washingtons dies befördere, sei bedauerlich, hieß es in einer am Dienstag in Washington veröffentlichten Erklärung der syrischen Botschaft. "Was im Libanon, in den Palästinensergebieten und im Irak geschehen ist, erschwert den Kampf gegen den weltweiten Terrorismus", hieß es weiter. Die USA sollten nun die Gelegenheit ergreifen und ihre Nahostpolitik überdenken.
Die Erklärung der Botschaft ging zu Beginn auf den Angriff auf die US-Botschaft am Dienstagmorgen in der syrischen Hauptstadt Damaskus ein. Dies sei "eine abscheuliche terroristische Attacke einer extremistischen Gruppe" gewesen. Syrien habe in Übereinstimmung mit der Genfer Konvention auf "bestmögliche Weise" seine Pflichten erfüllt, um die US-Botschaft zu schützen.
Vier Islamisten versuchten nach Angaben des staatlichen Fernsehens, das stark gesicherte Botschaftsgebäude mit Hilfe von automatischen Waffen, Handgranaten und mindestens einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug zu stürmen. Offenbar gelang es ihnen aber nicht, die Absperrungen vor dem Gelände zu überwinden.
Genauer Ablauf des Angriffs immer noch unklar
Über den genauen Ablauf des morgendlichen Angriffs gab es unterschiedliche Darstellungen. Das syrische Fernsehen berichtete von einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug, das aber nicht zur Explosion gebracht worden sei. Die Bombe sei entschärft worden. Ein Augenzeuge schilderte dagegen, die Angreifer seien aus einem Fahrzeug gesprungen, hätten die syrischen Wachleute vor der Botschaft beschossen und den Wagen in die Luft gesprengt. Fernsehbilder zeigten sowohl ein ausgebranntes Fahrzeug als auch einen Wagen mit Sprengstoff.
Ein chinesischer Diplomat, der sich auf dem Gebäude seiner Botschaft in unmittelbarer Nachbarschaft aufhielt, wurde von einem Streifschuss leicht verletzt und in ein Krankenhaus gebracht, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Polizei riegelte den Stadtteil Abu Rummaneh ab, in dem mehrere Botschaften liegen. Rettungswagen und Fahrzeuge der Feuerwehr eilten an den Ort der Schießerei.
Der Krieg zwischen der Hisbollah und Israel hat den Antiamerikanismus in Syrien weiter angefacht. Dort kam es bereits zuvor zu Übergriffen islamischer Extremisten. Im Juni kamen bei einem Feuergefecht in der Nähe des Verteidigungsministeriums fünf Menschen ums Leben.
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