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20 Tote bei Angriff auf Konvoi in Syrien
Uno spricht von "Kriegsverbrechen" - Hilfen eingestellt

Syrien: Uno spricht von "Kriegsverbrechen" - Hilfen eingestellt
Ein Mitarbeiter der Hilfstruppen an einem der brennenden Lkws in der Region Aleppo. FOTO: ap
New York. Mit Abscheu und Fassungslosigkeit haben die Vereinten Nationen auf den tödlichen Luftangriff auf einen von ihr organisierten Hilfskonvoi in Syrien reagiert. Sollte sich der Angriff vorsätzlich gegen die Helfer gerichtet haben, "dann läuft dies auf ein Kriegsverbrechen hinaus".

Das sagte der Chef der UN-Hilfseinsätze, Stephen O'Brien, am Montag in New York. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, brachte seine "enorme Empörung" über den Vorfall zum Ausdruck.

Bei dem Luftangriff sind nach Angaben des Roten Kreuzes etwa 20 Menschen ums Leben gekommen. "Rund 20 Zivilisten und ein Mitarbeiter des Roten Halbmonds wurden getötet, als sie humanitäre Hilfsgüter von den Lastwagen luden", erklärte die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften am Dienstag in Genf. Dabei sei ein "großer Teil der Hilfsgüter zerstört" worden. Auch das Lager des Roten Halbmonds in Orum al-Kubra sei bei dem Angriff getroffen worden.

Als Konsequenz aus dem Angriff stoppen die Vereinten Nationen vorerst alle ihre Hilfslieferungen in dem Bürgerkriegsland. Als "sofortige Sicherheitsmaßnahmen" würden alle Konvois gestoppt, sagte der Sprecher des UN-Büros für humanitäre Hilfe (Ocha), Jens Laerke, am Dienstag in Genf. Bis zu einer "neuen Bewertung der Sicherheitslage" werde es keine Hilfslieferungen mehr geben, sagte Laerke, der eine "Untersuchung" zu dem Luftangriff forderte.

Die UN-Vertreter betonten, dass der Konvoi der Lkws mit Hilfsgütern für die Region Aleppo in intensiven Verhandlungen mit den dortigen Kriegsparteien vorbereitet worden und klar als humanitärer Transport gekennzeichnet gewesen sei. Es gebe "keine Erklärung und keine Entschuldigung, keinen Grund und keine Rechtfertigung dafür, Krieg gegen tapfere und selbstlose humanitäre Helfer zu führen", sagte O'Brien. Er forderte eine Untersuchung.

Die USA richteten derweil Vorwürfe an Moskau und Damaskus. Als Verantwortliche für den Angriff auf den Konvoi kämen nur die Luftwaffe der syrischen Regierung oder deren Verbündeter Russland in Frage, sagten hochrangige Vertreter des US-Außenministeriums. "Russland steht nun in der Pflicht, schnell und nachdrücklich zu demonstrieren, dass es sich dem Friedensprozess verpflichtet fühlt", sagte einer der US-Vertreter.

"Die Russen haben die Verantwortung, selbst solche Aktionen zu unterlassen, aber sie haben auch die Verantwortung, das Regime davon abzuhalten", sagte er weiter. Der Angriff auf den Konvoi sei ein "schwerer Schlag für unsere Bemühungen, Syrien Frieden zu bringen".

Das russische Militär wies den Vorwurf der Amerikaner indes zurück: Die Nachrichtenagentur Tass zitierte am Dienstag aus einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums, wonach russische Kampfjets am Abend zuvor nicht die Lkw beschossen hätten.

Der UNO zufolge wurden am Montag mindestens 18 Lastwagen mit Hilfsladungen bei Angriffen in Orum al-Kubra westlich von Aleppo beschädigt. Sie gehörten zu einem Konvoi von 31 Fahrzeugen der UNO sowie des Roten Halbmonds, die 78.000 Menschen in Orum al-Kubra versorgen wollten.

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden zwölf Mitarbeiter des Roten Halbmonds und Fahrer der Lastwagen getötet. Die UNO wollte diese Bilanz zunächst nicht bestätigen.

UN-Vertreter O'Brien sagte, bei dem Angriff seien auch ein Lagerhaus des Syrischen Roten Halbmonds sowie eine Klinik getroffen worden. Der Konvoi habe Güter für "dringend hilfsbedürfige Menschen" an Bord gehabt.

Auch Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault verurteilte den Angriff auf das Schärfste. Der Vorfall zeige "die dringende Notwendigkeit für ein Ende der Kämpfe in Syrien", sagte Ayrault. Russland und die USA hatten in der vergangenen Woche eine Waffenruhe für Syrien ausgehandelt. Diese wurde am Montag aber von der syrischen Armee für beendet erklärt.

Vor dem für Dienstag geplanten Treffen der internationalen Syrien-Unterstützergruppe in New York warf die syrische Opposition der Weltgemeinschaft Versagen vor. "Die Welt begnügt sich damit, zuzusehen ohne einzuschreiten", sagte der Koordinator des oppositionellen Hohen Verhandlungskomitees (HNC), Riad Hidschab, am Montag in New York.

Nach der Aufkündigung der Waffenruhe durch die syrische Armee gehe das Blutvergießen unvermindert weiter, klagte Hidschab. "Russland und der Iran vergießen syrisches Blut, das Regime bombardiert Krankenhäuser, es wirft tausende Fassbomben und andere geächtete Bomben ab - und die Welt schaut zu." Die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats seien alle "vergeblich" gewesen.

(lai/afp/ap)
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