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Waffenruhe
USA und Russland nähern sich im Syrien-Konflikt an

Syrien: USA und Russland nähern sich im Syrien-Konflikt an - Waffenruhe möglich
US-Außenminister State John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergey Lavrov nach ihrem Treffen in Genf. FOTO: ap
Genf. Stundenlang sitzen die Außenminister Kerry und Lawrow in Genf zusammen. Eine Einigung können sie nicht präsentieren, aber immerhin Klarheit darüber, wie es weiter gehen soll. Doch der Teufel steckt im Detail.

Die USA und Russland haben sich auf Schritte zu einer Waffenruhe in Syrien geeinigt. Es bestehe Klarheit über den Weg, Einzelheiten müssten aber noch besprochen werden, sagte US-Außenminister John Kerry nach stundenlangen Gesprächen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Freitag in Genf. Dieser lobte die verbesserte Gesprächsatmosphäre zwischen Russland und den USA.

Kerry sagte, die im April vereinbarte Waffenruhe solle wieder hergestellt werden. Hilfslieferungen sollten leichter möglich sein. Der größte Teil der handwerklichen Probleme, die es dabei gebe, sei gelöst worden. Experten sollten in Genf bleiben, um Antworten auf die noch offenen Fragen zu finden. "Wir machen keine Ankündigung ... die nicht durchsetzbar ist", sagte er. "Wir wollen ein wirksames Abkommen."

Russland und USA nähern sich an

Lawrow sagte, das gegenseitige Vertrauen zwischen Moskau und Washington habe wieder zugenommen. Eine Wiederaufnahme der von den Vereinten Nationen vermittelten Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den von den USA unterstützten Rebellen könne helfen, die Feindseligkeiten zu verringern.

Kerry räumte ein, Streit gebe es bei der Einschätzung der jüngsten Angriffe der syrischen Armee, russischer Truppen und verbündeter Hisbollah-Kämpfer aus dem Libanon auf dicht bewohntes Gebiet. Russland beteuere, es habe dort Terroristen attackiert, während es sich aus Sicht der USA um moderate Rebellen gehandelt habe.

Lawrow sagte, Mitglieder der Nusra-Front müssten von Kämpfern getrennt werden, die von den USA unterstützt werden. US-Regierungsbeamte sagte, sie seien bereit, entsprechend Druck auf ihre Schützlinge unter den Rebellen ausüben. Die Nusra-Front firmiert mittlerweile unter dem Namen Fath al-Scham und hat erklärt, sie habe sich vom Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt.

Gefechte in Aleppo halten an

In den vergangenen Tagen hatten sich Rebellen und regierungstreue Kräfte heftige Gefechte um die Stadt Aleppo geliefert. Die Türkei marschierte mit Bodentruppen in Syrien ein, forderte den Rückzug der Kurden-Miliz YPG aus allen Gebieten westlich des Euphrat und beschoss mit Artillerie jene Kampfverbände, die sich nicht daran hielten.
Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die türkischen Truppen sollten zunächst in Syrien bleiben. Die YPG wird von den USA unterstützt und war im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat recht erfolgreich.

Unterdessen verließen die Rebellen eines ultrakonservativen Bündnisses den seit vier Jahren belagerten Damaszener Vorort Daraja. 700 Kämpfer und ihre Familien bekamen von der Regierung freies Geleit in die nordsyrische Provinz Idlib. Rund 400 Zivilisten wurden in ein Notlager südlich von Daraja gebracht. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AP berichtete von weitreichenden Zerstörungen in Daraja.

Lawrow sagte, für andere Gegenden sei ein ähnliche Einigung wie in Daraja möglich. Das russische Militär in Syrien habe bereits entsprechende Anfragen mit der Bitte um Vermittlung erhalten.

(ap)
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