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Schwere Gefechte in Syrien
Zehntausende fliehen aus Aleppo an die türkische Grenze

Von Syrien nach München – die Route der Flüchtlinge
Von Syrien nach München – die Route der Flüchtlinge FOTO: AP/Lefteris Pitarakis
Beirut. Die Truppen Assads treiben mit Unterstützung russischer Bombe ihre Offensive auf Aleppo voran. Die türkische Regierung geht davon aus, dass in Kürze 70.000 Menschen an der Grenze stehen.

Schwere Gefechte beim Vormarsch der Regimetruppen in Nordsyrien zwingen Zehntausende Bewohner der Region um die Großstadt Aleppo zur Flucht in Richtung Türkei.

Etwa 40.000 Flüchtlinge waren am Freitag nach Schätzungen von Menschenrechtlern auf dem Weg zur türkischen Grenze oder warteten dort auf Einlass. Rund 10.000 Menschen versammelten sich Hilfsorganisationen zufolge nahe der geschlossenen Grenzübergänge. Ob und wann sie eingelassen werden würden, war zunächst unklar.

Nato macht Russland verantwortlich

Die Bundesregierung und die Nato machten zugleich Syriens Verbündeten Russland wegen der massiven Luftschläge nördlich von Aleppo für das Stocken der Genfer Friedensgespräche mitverantwortlich.

Syrische Regimetruppen rückten in der Region am Freitag mit Hilfe russischer Luftschläge weiter vor: Zusammen mit verbündeten Kämpfern der Schiitenmiliz Hisbollah und iranischen Einheiten eroberten sie die Stadt Ratjan.

Wichtige Nachschubroute gekappt

Die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatten zuletzt die wichtigste Nachschubroute der Rebellen aus der Türkei gekappt und auch den Belagerungsring um zwei Dörfer der Regimeanhänger nach drei Jahren durchbrochen.

Während das Regime den Westen Aleppos kontrolliert, beherrschen Rebellengruppen den Osten und den Süden des Stadtgebietes. Mit der Offensive der Regierungseinheiten läuft das letzte große Stadtzentrum in Rebellenhand Gefahr, eingekesselt zu werden.

Bundesregierung appelliert an Moskau

Die türkische Regierung fürchtet bis zu 70.000 Flüchtlinge aus der Region um Aleppo. Das Land hat mit 2,5 Millionen Menschen die meisten Menschen aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen.

Die Bundesregierung appellierte an Russland, seiner Verantwortung für die Lösung des Syrien-Konflikts gerecht zu werden. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Regierungen, die für die Angriffe auf Aleppo verantwortlich seien, "die scheinen ein Scheitern der Bemühungen um eine politische Lösung in Kauf zu nehmen". Ein Sprecher des Auswärtigen Amts ergänzte, "dass die Art und Weise, wie Russland militärisch in diesen Konflikt in Syrien eingreift, nicht wirklich hilfreich ist". Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Russland vor, den Konflikt mit seinen Bombardements gegen Rebellen anzuheizen.

Diskussion um Friedensgespräche 

Moskau wies die Schuldzuweisungen zurück. Russland setze sich für eine friedliche Lösung des Konflikts ein, unterstütze die syrische Regierung aber im Kampf gegen den Terrorismus, sagte er. Die russische Luftwaffe unterstützt seit Ende September eine Offensive der syrischen Regierungstruppen mit Raketen- und Bombenangriffen. Der Westen wirft Russland vor, dabei auch Kämpfer der gemäßigten Opposition zu beschießen.

Die ausgesetzten Syrien-Friedensgespräche sollen am Donnerstag - einen Tag vor dem Start der Münchner Sicherheitskonferenz - wieder in Gang gebracht werden. In der bayerischen Landeshauptstadt ist eine Syrien-Verhandlungsrunde im sogenannten "Wiener Format" mit Vertretern aus fast 20 Staaten geplant. Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass auch die Außenminister Saudi-Arabiens und des Irans teilnehmen werden. Es wäre die erste Begegnung von Regierungsvertretern der beiden zerstrittenen Regionalmächte seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Anfang Januar.

Zahl der IS-Kämpfer schrumpft angeblich

Derweil sehen die USA die Zahl Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak wegen militärischer Erfolge schrumpfen. Das Weiße Haus geht eigenen Angaben zufolge von bis zu 25.000 aus - in vorherigen Schätzungen war von bis zu 31.500 bewaffneten IS-Extremisten in beiden Ländern die Rede. Im Kampf gegen die Dschihadisten hatte sich Saudi-Arabien am Donnerstag sogar bereit gezeigt, Bodentruppen zu entsenden.

(pst/dpa)
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