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Bürgerkrieg in Syrien
Zwei Millionen Menschen in Aleppo haben kein Wasser mehr

Syrien: Zwei Millionen Menschen in Aleppo haben kein Wasser mehr
Eine zerstörte Wasserleitung in Aleppo. FOTO: rtr, ALH/LP
Beirut. Nach dem Zusammenbruch der Waffenruhe in Syrien haben Regierungstruppen mit Unterstützung aus der Luft ein von Rebellen gehaltenes Gebiet nahe Aleppo unter ihre Kontrolle gebracht.

Einwohner der umkämpften Stadt bezeichneten die Luftangriffe am Samstag als das schwerste Bombardement des seit fünfeinhalb Jahren tobenden Bürgerkriegs. Es gab Dutzende Tote.

In der nordsyrischen Stadt verfügen fast zwei Millionen Menschen nach Angaben der Vereinten Nationen über kein fließendes Wasser mehr. Die Unicef-Vertreterin in Syrien, Hanaa Singer, sagte am Freitagabend, die vergangenen Angriffe hätten das Wasserwerk Bab al-Nairab beschädigt. Dieses versorge rund 250.000 Menschen in den von den Rebellen gehaltenen östlichen Teilen der Stadt mit Wasser.

Als Vergeltungsmaßnahme sei daraufhin die Pumpanlage Suleiman al-Halabi abgeschaltet worden, sagte Singer. Diese Anlage befinde sich ebenfalls in den von Rebellen kontrollierten östlichen Bezirken. Damit seien rund 1,5 Millionen Menschen in den von den Regierungstruppen gehaltenen Teilen der Stadt von der Wasserversorgung abgeschnitten. Singer sagte, wenn Kindern sauberes Wasser entzogen würde, sei die Gefahr groß, dass sie an Infekten erkranken würden, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden.

Die Regierungstruppen nahmen das palästinensischen Flüchtlingslager Handarat ein, während Luftangriffe auf Stadtteile in Rebellenhand nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 52 Menschen töteten. Die sogenannten Lokalen Koordinationskomitees sprachen von allein 49 Getöteten am Samstag.

Der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wird die Opferzahl in Aleppo vermutlich noch weiter steigen, da sich viele Verletzte in einem kritischen Zustand befanden. Rettungskräfte gruben auf der Suche nach Überlebenden und Toten durch den Schutt.

"Aleppo wird ausgelöscht"

Einwohner berichteten, dass die jüngsten Luftschläge die schlimmsten seit der Eroberung von Teilen der Stadt durch die Rebellen im Jahr 2012 gewesen seien. Allein am Freitag soll es zu Dutzenden Luftangriffen gekommen sein. "Aleppo wird ausgelöscht", sagte ein rechtsmedizinischer Experte in der Stadt, Mohammed Abu Dschaafar.

Die syrische Regierung glaubt nach Angaben ihres Außenministers an einen militärisch herbeigeführten Sieg. Die syrische Armee mache große Fortschritte "in ihrem Krieg gegen Terrorismus", sagte Walid al-Moallem am Samstag vor der UN-Vollversammlung in New York. Dabei werde sie von Russland, dem Iran und der libanesischen Hisbollah-Miliz unterstützt. Die Regierung in Damaskus sei entschlossener denn je, "Terrorismus" im ihrem Land zu eliminieren.

Präsident Baschar al-Assad bekenne sich weiterhin zu politischen Verhandlungen unter UN-Schirmherrschaft, sagte Al-Moallem. Er betonte gleichzeitig, dass eine Lösung zwei parallele Wege beachten müsse: Zum einen müssten Maßnahmen gegen den Terrorismus gesteigert werden, zum anderen auch der innersyrische Dialog, der den Syrern erlaube, ihre Zukunft ohne Beeinflussung von außen selbst zu bestimmen.

Aleppo ist in den vergangenen Monaten ein Epizentrum der Gefechte gewesen. Es ist das letzte größere städtische Gebiet in Oppositionshand. Eine Niederlage der Rebellen würde einen großen Wendepunkt in dem Konflikt markieren. Bislang wurden in dem Bürgerkrieg mehr als 300 000 Menschen getötet. Die Hälfte der syrischen Bevölkerung wurde aus ihren Häusern vertrieben.

(felt/ap)
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