Afghanistan: Taliban: Deutsche Geisel "sehr krank"
zuletzt aktualisiert: 24.07.2007 - 10:01Kandahar (RPO). Der in Afghanistan entführte Deutsche verliert nach Angaben der radikalislamischen Taliban immer wieder das Bewusstsein. Der Mann leide an Diabetes und müsse meistens auf einer Trage von einem Ort zum anderen gebracht werden, sagte Talibansprecher Jussuf Ahmadi am Dienstag in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. Unklar ist jedoch, ob der Deutsche tatsächlich von Taliban-Kämpfern entführt wurde.
Die Rückführung des in afghanischer Geiselhaft gestorbenen Bauingenieurs nach Deutschland ist für Mittwoch geplant. Das teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin am Dienstag mit. Ein Obduktionstermin sei für Donnerstag angesetzt. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt.
Keine Stellungnahme gab es auch zu einem ARD-Bericht, wonach Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr dazu beigetragen haben sollen, die Geiseln zu lokalisieren. Die Bundesregierung bemüht sich nach Worten der Sprecherin weiterhin intensiv um den zweiten Entführten. Der Krisenstab stehe in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung.
Nach ARD-Informationen ist der Aufenthaltsort des Entführten den Behörden bekannt. Bei der Ortung sollen Aufklärungs-Tornados der Bundeswehr geholfen haben. Unterdessen soll der Leichnam des in Geiselhaft gestorbenen 44 Jahre alten Bauingenieurs rasch nach Deutschland überführt und obduziert werden, um Aufschluss über die Todesursache zu erhalten.
Beide Deutsche waren zusammen mit fünf Afghanen am vergangenen Mittwoch in der Provinz Wardak südwestlich von Kabul verschleppt worden. Die ursprünglich für Montag vorgesehene Überführung des Leichnams der verstorbenen Geisel, eines Bauingenieurs, nach Deutschland verzögerte sich. Sein Leichnam war am Sonntag gefunden worden. Einem der entführten Afghanen gelang die Flucht. Als Bedingung für die Freilassung der fünf Geiseln hatte Ahmadi am Dienstag die Freilassung von zehn Taliban-Kämpfern durch die afghanische Regierung genannt.
Die afghanische Botschafterin in Deutschland, Maliha Zulfacar, zeigt sich zuversichtlich, dass das Leben der deutschen Geisel in Afghanistan gerettet werden kann. Vor allem die Tatsache, dass der Deutsche nicht in den Händen der Taliban, sondern eines lokalen Stammes gefallen sei, sei beruhigend, sagte Zulfacar am Montag im Bayerischen Rundfunk. In den vergangenen Tagen sei viel mit einflussreichen Stammesfürsten der Region, mit lokalen Machthabern und anderen Vermittlern geredet worden. "Wir hoffen, es wird durch eine friedliche Lösung ohne weitere Todesopfer gelöst werden", sagte die Botschafterin.
Deutschland leiste einen wichtigen Beitrag, Afghanistan und die gesamte Region zu stabilisieren, sagte Zulfacar. Ohne Sicherheit gebe es keinen zivilen Wiederaufbau in Afghanistan. Das deutsche Engagement habe dabei im Norden sichtbare Erfolge gebracht. "Das afghanische Volk vertraut den deutschen Soldaten, was auch mit der historischen Freundschaft zwischen den beiden Ländern zu tun hat", sagte sie. Afghanistan dürfe nicht wieder alleine gelassen werden.
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