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Isaf-Chef schlägt Alarm: Taliban haben in Afghanistan die Oberhand

zuletzt aktualisiert: 10.08.2009 - 15:43

Kabul (RPO). Eineinhalb Wochen vor der Präsidentenwahl in Afghanistan haben die radikal-islamischen Taliban die Oberhand gewonnen. Die Extremisten hätten ihren Einfluss über ihre traditionellen Hochburgen im Süden und Osten des Landes hinweg auf den Norden und den Westen des Landes ausgeweitet, warnte Isaf-Chef US-General Stanley McChrystal in einem Interview. 

Die Taliban seien derzeit ein sehr aggressiver Feind, sagte McChrystal in einem am Montag auf der Internetseite des "Wall Street Journal" veröffentlichten Interview. Verstärkte Angriffe der Extremisten untermauerten die Einschätzung McChrystals: Im nordafghanischen Kundus sprengte sich ein Selbstmordattentäter neben einem Konvoi belgischer und afghanischer Soldaten in die Luft.

Verletzt wurde niemand, Angehörige der Bundeswehr waren nicht betroffen. In der Stadt Pule Alam griffen Taliban-Kämpfer mehrere Regierungsgebäude an und töteten nach Angaben einer Hilfsorganisation mindestens fünf Polizisten.

Der Schwung der Taliban müsse gestoppt werden, aber "es ist harte Arbeit", sagte McChrystal. Ihr Vormarsch habe einen Strategiewechsel der ausländischen Truppen nötig gemacht. Der General warnte davor, dass die Opferzahlen noch einige Monate auf Rekordhöhen liegen könnten.

Die Gewalt in Afghanistan ist seit Beginn einer Großoffensive gegen Taliban-Hochburgen im Süden des Landes eskaliert. Im Juli erreichte die Zahl der getöteten ausländischen Soldaten einen Höchststand. Auch deutsche Soldaten sind im Norden des Landes zuletzt vermehrt ins Visier Aufständischer geraten.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte am Wochenende zwölf Prozent des deutschen Einsatzgebiets im Norden als akut bedroht bezeichnet. Zugleich räumte er erneut ein, dass sich die Sicherheitslage in der Region Kundus verschärft habe.

Um Afghanistan endgültig zu stabilisieren, werde die internationale Gemeinschaft noch mindestens fünf bis zehn Jahre brauchen, sagte der Minister in dem Interview der "Bild am Sonntag" voraus. Um die Lage in den Griff zu bekommen, hatte die Bundeswehr zuletzt Marder-Schützenpanzer nach Kundus verlegt und die schnelle Eingreiftruppe dort aufgestockt.

Nach Angaben der Taliban griffen sechs Selbstmordattentäter und bewaffnete Kämpfer in der eine Autostunde von Kabul gelegenen Stadt Pule Alam mehrere Gebäude an. Zu ihren Zielen gehörten unter anderem der Amtssitz des Gouverneurs, Polizei-Einrichtungen und Wahlbüros.

Medienberichten zufolge lieferten sich die Sicherheitskräfte mehrstündige Schießereien mit den Angreifern, die "schweres Feuer" - darunter auch Raketen - eingesetzt hätten. Der Polizeichef der Provinz, Ghulam Mustafa Mohseni, wollte sich zu den Schießereien nicht äußern. "Wir stecken im Elend, und Sie stellen Fragen", reagierte er auf einen Anruf von Reuters. Nach Angaben von Hilfsorganisationen kamen mindestens fünf Polizisten ums Leben. US-Kampfhubschrauber kreisten über der Stadt.

In Kundus zündete sich derweil ein Selbstmordattentäter, der mit einem Auto unterwegs war, in Höhe einer Patrouille belgischer und afghanischer Soldaten einen Sprengsatz. Verletzt wurde niemand. Die belgischen Soldaten gehörten zum Wiederaufbauteam in Kundus und benutzen das gleiche Feldlager wie die Bundeswehr.

Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums waren keine Angehörigen der Bundeswehr betroffen. Kundus ist der bei weitem gefährlichste Einsatzort der deutschen Soldaten. Bei Gefechten nahe der Stadt war erst am Freitag ein deutscher Soldat verwundet worden.

Quelle: RTR/csi

 
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