Sri Lanka: Tamilen-Rebellen legen Waffen nieder
zuletzt aktualisiert: 17.05.2009 - 13:40Colombo (RPO). Seit einem Vierteljahrhundert tobte der Krieg zwischen srilankischen Regierungstruppen und den tamilischen Rebellen der Guerillaorganisation LTTE - jetzt geht er blutig zu Ende. Der srilankische Präsident Mahinda Rajapaksa verkündete schon am Samstag den endgültigen Sieg über die Rebellen. Diese folgten am Sonntag und kündigten an, die Waffen niederzulegen.
Das Ziel der Regierungstruppen in den vergangenen Monaten war die völlige Zerschlagung der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE). Auf Gespräche mit den Rebellen über Feuerpausen oder ähnliches ließ sich die Regierung nicht mehr ein. Die Hauptleidtragenden waren zehntausende Menschen, die mit den Rebellen eingeschlossen worden waren.
Die Appelle der internationalen Gemeinschaft zur Verschonung der Bevölkerung im verbliebenen Kriegsgebiet hatte die Regierung wohl vernommen. Wichtiger war für sie aber, was Vereinte Nationen, USA, EU und andere bedeutende Partner nicht sagten: Es gab keine Sanktionsdrohungen für den Fall einer gnadenlosen Kriegführung, die nach Einschätzung des Roten Kreuzes "eine unvorstellbare menschliche Katastrophe" ausgelöst hat.
Die Regierung wirft den Rebellen vor, Zivilpersonen als "menschliche Schutzschilde" zu missbrauchen. Wer fliehen wolle, werde von den Rebellen erschossen. Die Rebellen beschuldigen die Regierungstruppen ihrerseits, auf alles zu schießen, was sich im Kampfgebiet bewegt - einschließlich des einzigen Krankenhauses. Unabhängig überprüft werden können die Schreckensmeldungen aus dem Kampgebiet nicht. Colombo hat es Journalisten verboten, direkt aus der Kriegszone zu berichten.
Seit Januar sind die Regierungstruppen im tamilischen Norden der Insel Ceylon in der Offensive, haben den LTTE-Schattenstaat zerschlagen und die Rebellen bis zum Wochenende auf kleinsten Raum zusammengedrängt. Nach UN-Angaben wurden dabei bis zum 7. Mai 7.000 tamilische Zivilpersonen getötet. Danach dürften noch einmal 1.000 Zivilpersonen in den Kämpfen getötet worden sein. Dazu kommen hunderte, wenn nicht tausende getöteter Rebellen. Weder LTTE noch Regierungstruppen machen Angaben über ihre Verluste.
Aber allein die Toten in der Zivilbevölkerung in Sri Lanka sind mehr als die Toten in Kriegsgebieten wie dem Irak, Afghanistan, Pakistan und dem Gazastreifen zusammen. Im Irak wurden in diesem Jahr bisher 1.500 Iraker und 66 US-Soldaten getötet, rund 1.800 Militante, Soldaten und Zivilpersonen verloren in Afghanistan und an die 1.600 in Pakistan ihr Leben. Bei der israelischen Offensive im Gazastreifen wurden zwischen 1.100 und 1.450 Menschen getötet - das sind zusammen weniger als 6.500.
Keine Sicherheitsratsresolution
Zahlen, die aufgeschreckt haben. US-Präsident Barack Obama rief Colombo auf, "den rücksichtslosen Beschuss" einzustellen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte die Regierung, die Welt schaue zu und schickte seinen Stabschef vor Ort, um auf ein Ende des Blutvergießens hinzuwirken. Sri Lanka ließ aber Großbritannien und Frankreich mit dem Versuch abblitzen, eine Waffenruhe aus humanitären Gründen zu vermitteln.
Die massivste Drohung kam aus London und Washington: Es war die Drohung, einen dringend benötigten Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu verzögern - von einer Blockade war nicht die Rede. Sonst sah sich Colombo keinem internationalen Druck ausgesetzt.
Sri Lankas wichtigste Geldgeber sind angesichts des Blutvergießens still geblieben. Japan und China, die zusammen ein milliardenschweres Hafenprojekt in Sri Lanka finanzieren, haben zusammen mit Russland und Vietnam eine Sicherheitsratsresolution verhindert. Wichtigster Beweggrund: Der Bürgerkrieg wird von ihnen als innere Angelegenheit eines souveränen Staates eingestuft. Insbesondere China und Russland sehen das bei ihren Konflikten in Tibet und Tschetschenien genauso.
Keine Bilder aus dem Kriegsgebiet
Indien war in der Sri-Lanka-Frage gespalten. Die tamilische Bevölkerung in Südindien hat die Regierung zu einer härteren Haltung gegen die in Colombo regierenden Singhalesen aufgefordert. Neu-Delhi trägt den Rebellen aber bis heute nach, dass sie in den 80er Jahren eine indische Friedenstruppe in Sri Lanka angriffen. Zudem sieht sie die LTTE als Drahtzieher der Ermordung von Ministerpräsident Rajiv Gandhi 1991.
Die internationale Reaktion wird aber vielleicht auch entscheidend davon geprägt, dass es keine Bilder vom Elend der Zivilbevölkerung in den Kampfgebieten gibt. Die ohne Sanktionsdrohungen bewehrte internationale Kritik ließ Präsident Rajapaksa kalt: "Es ist meine Pflicht, das Volk dieses Landes zu schützen. Ich brauche keine Vorträge westlicher Repräsentanten."
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