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Begräbnis von Großayatollah Montaseri
Tausende fordern auf Trauerfeier das Regime heraus

Neue Studentenproteste in Teheran
Neue Studentenproteste in Teheran FOTO: AFP
Dubai (RPO). Die iranische Opposition hat die Trauerfeier für den verstorbenen Reformpolitiker und Großayatollah Hossein Ali Montaseri in eine Großdemonstration verwandelt. Nach Angaben oppositioneller Internetseiten gaben zehntausende Anhänger Montaseris dem Geistlichen am Montag in Ghom das letzte Geleit. Die Polizei sei mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen, die Parolen gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad skandiert hätten.

Die Webseite "Rahesabs" berichtete, dass zehntausende Menschen den Leichnam Montaseris zum Mausoleum von Masumeh begleitet hätten. Auf einigen Internetseiten war sogar von hunderttausenden Teilnehmern zu lesen, die aus dem ganzen Land in die für Schiiten heilige Stadt Ghom rund 100 Kilometer südlich von Teheran gekommen seien. Im Anschluss an die Beisetzung lieferten sich Sicherheitskräfte und Trauergäste Auseinandersetzungen, wie die Internetseite "Kaleme.org" berichtete. Die Regierungskritiker hätten Polizisten mit Steinen beworfen und Sprechchöre gegen den "Diktator" Ahmadinedschad angestimmt.

"Rahesabs" berichtete zudem von Zusammenstößen zwischen Montaseri-Anhängern und Mitgliedern der regierungsnahen Miliz Ansar Hisbollah. Die Milizionäre hätten versucht, Unruhe in den Trauerzug zu bringen und mit Megaphonen die Sprechchöre zu stören. Dies habe einige "Konfrontationen" ausgelöst, hieß es auf der Website ohne nähere Angaben. Die Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi und Mehdi Karubi hatten zur Teilnahme an dem Trauerzug aufgerufen.

Ausländischen Medien hatte die iranische Regierung verboten, über das Ereignis zu berichten. Die staatlich kontrollierten Medien im Iran meldeten meist nur kurz, dass Montaseri "im Kreise seiner Anhänger" beigesetzt worden sei. Die Internetseite des iranische Staatsfernsehen räumte immerhin ein, dass "einige" Teilnehmer der Trauerfeier versucht hätten, mit "extremistischen und kontroversen Parolen" Spannungen zu schüren.

Internetverbindungen gestört

Die Internetverbindungen im Land waren seit Sonntagabend schwer gestört. Die britische BBC teilte mit, dass das Signal ihres Fernsehprogramms in persischer Sprache seit dem Tod Montaseris immer wieder blockiert worden sei. Unterdessen verbot die iranische Führung die reformorientierte Zeitung "Andischeh No" (Neue Gedanken). Die staatliche Nachrichtenagentur Isna meldete, das Blatt habe nach der umstrittenen Wiederwahl von Ahmadinedschad im Juni "ständig versucht, Spaltung und Spannungen zu provozieren".

Montaseri war am Samstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Nach der Islamischen Revolution 1979 hatte Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ihn zunächst als seinen Nachfolger vorgesehen. Der als liberal und fortschrittlich geltende Montaseri distanzierte sich jedoch zunehmend von Khomeini und kritisierte vor allem die Unterdrückung von Oppositionellen. 1989 fiel er bei Khomeini kurz vor dessen Tod in Ungnade und wurde entmachtet. Er wurde nach Ghom verbannt, wo er bis 2003 teilweise sogar unter Hausarrest stand. Nach Ahmadinedschads Wiederwahl war er einer der ersten einflussreichen Geistlichen, die sich auf die Seite der Opposition stellten.

(AFP/csr)
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