Finanzkrise: Tausende Isländer fordern Rücktritt der Regierung
zuletzt aktualisiert: 30.11.2008 - 13:22Reykjavik (RPO). Tausende Isländer sind am Samstagaus Protest gegen ihre Regierung auf die Straße gegangen. Ungeachtet der Temperaturen forderten rund 4500 Demonstranten in Reykjavik Neuwahlen und ein "neues Island", wie es auf Plakaten hieß. "Raus mit dem Müll" hieß es zudem an die Adresse der Regierung von Ministerpräsident Geir Haarde.
Die Demonstranten machen die Regierung für die desaströse Wirtschaftslage des Landes infolge der weltweiten Finanzkrise verantwortlich. Laut einer aktuellen Umfrage sind mittlerweile 70 Prozent der Bürger für vorgezogene Neuwahlen. In der vergangenen Woche hatten aufgebrachte Demonstranten eine Polizeistation gestürmt.
Islands einst blühender Bankensektor war unter dem Druck der Kreditkrise zusammengebrochen, drei wichtige Banken konnten nur durch Verstaatlichung vor der Pleite gerettet werden. Ein Staatsbankrott Islands wurde durch einen Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der skandinavischen Länder abgewendet. Durch die Krise sind jedoch massenhaft Stellen abgebaut worden, die Inflationsrate erreichte im November den Rekordstand von 17,1 Prozent.
Ministerpräsident fühlt sich nicht verantwortlich
Die Demonstranten werfen der Regierung vor, die Banken nicht ausreichend kontrolliert zu haben. Dagegen sagte Haarde, er fühle sich nicht persönlich verantwortlich. Vielmehr sei die unbesonnene Expansion der Banken schuld an der Finanzkrise. Strafrechtliche Ermittlungen seien im Gange.
Für das kommende Jahr erwartet der Regierungschef keine Verbesserung der Lage, im Gegenteil: 2009 werde "ein sehr schwieriges Jahr", prophezeite Haarde. Deutlich besser seien dagegen die Aussichten für 2010 - "mit positivem Wirtschaftswachstum und weniger Arbeitslosigkeit".
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