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Vor der US-Wahl
Tausende russische Anzeigen auf Facebook geschaltet

Tausende russische Anzeigen vor der US-Wahl auf Facebook geschaltet
Facebook arbeitet mit den US-Behörden zusammen, die eine mögliche russische Einflussnahme auf die US-Wahl untersuchen. FOTO: dpa
San Francisco. Facebook hat erstmals offiziell bestätigt, dass vor der US-Präsidentenwahl im Herbst 2016 offenbar Tausende Anzeigen mit politischen Botschaften aus Russland auf dem Online-Netzwerk geschaltet wurden. Das Unternehmen konnte fast 500 gefälschte Accounts identifizieren.

Die Accounts seien bei einer Überprüfung der Anzeigenverkäufe entdeckt worden, teilte der Leiter des Sicherheitsteams von Facebook, Alex Stamos, am Mittwoch (Ortszeit) in einer Erklärung mit. Rund 470 Profile konnten identifiziert werden, die zwischen Juni 2015 und Mai 2017 etwa 3000 Anzeigen geschaltet hätten, um sich in die US-Innenpolitik einzumischen. "Unsere Analyse legt nahe, dass diese Accounts und Seiten miteinander vernetzt waren und von Russland aus betrieben wurden", erklärte Stamos. Inzwischen seien die "nicht authentischen" Accounts gesperrt. 

Anzeigen im Wert von 100.000 US-Dollar gekauft 

Die Anzeigen im Wert von 100.000 US-Dollar (84.000 Euro) hätten jedoch nicht einen einzelnen Kandidaten unterstützt. Stattdessen seien vielfach polarisierende Standpunkte zu Bereichen wie Einwanderung, Rasse und Rechte von Homosexuellen thematisiert worden. Rund ein Viertel der Anzeigen war gezielt in bestimmten Regionen platziert worden. Facebook arbeitet eigenen Angaben nach mit den US-Behörden zusammen, die eine mögliche russische Einflussnahme auf die Wahl untersuchen.

Ellen Weintraub von der US-Wahlkommission erklärte, die Wähler verdienten Aufklärung darüber, woher die Anzeigen stammten. Es sei ungesetzlich, wenn Ausländer direkt oder indirekt Geld für US-Wahlen aufwenden würden. Einem Facebook-Mitarbeiter zufolge gebe es Verdingungen zwischen den Anzeigen und einer bekannten russischen "Troll-Fabrik" in St. Petersburg, die Kommentare in sozialen Medien veröffentliche.

Ermittlungen zu geheimen Absprachen  

Facebook hatte bereits im April erklärt, dass das Online-Netzwerk für politische Einflussnahme missbraucht worden sei und jetzt den Hinweis auf Drahtzieher in Russland verstärkt. Sonderermittler Robert Mueller prüft derzeit, ob es zwischen dem Wahlkampfteam von Präsident Donald Trump und der Regierung in Moskau geheime Absprachen gab und ob Russland Einfluss auf die Wahl im November nahm. 

(beaw/rtr/dpa/ap)
 
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