Beisetzung von Gemayel: Tausende Trauernde protestieren gegen Syrien
zuletzt aktualisiert: 23.11.2006 - 12:47Beirut (RPO). Tausende Menschen haben am Donnerstag an der Beisetzung des ermordeten christlich-libanesischen Politikers Pierre Gemayel teilgenommen. Sie nutzten die Trauerzeremonie zu lautstarken Protesten gegen Syrien. Bilder von Präsident Assad wurden verbrannt.
Applaus, Gewehrschüsse und Kirchenglocken begleiteten den Sarg des ermordeten Ministers durch die Straßen von Beirut. In der Menschenmenge wurden Bilder des syrischen Präsidenten Baschar al Assad verbrannt.
Der 34-jährige Gemayel wurde am Dienstag von einem unbekannten Täter in seinem Auto erschossen. Der Mordanschlag rief international Bestürzung und Sorge um die politische Entwicklung im Libanon hervor. Das Attentat auf Gemayel erinnert an die Ermordung des früheren Regierungschefs Rafik Hariri im Februar 2005. Danach fand sich Syrien unter internationalem Druck zum Rückzug seiner Truppen aus dem Libanon bereit.
Der Zorn der Trauerversammlung richtete sich am Donnerstag auch gegen Staatspräsident Emile Lahud, der als Parteigänger Syriens gilt. Auf Transparenten wurde sein Rücktritt verlangt. Lahud hielt sich am Donnerstag im Präsidentenpalast auf, die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gebäude wurden massiv verstärkt.
Gemayels Vater, der ehemalige Präsident Amin Gemayel, rief ebenso wie die Kirche der maronitischen Christen im Libanon zur Ruhe auf. 16 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs im Libanon wächst die Sorge vor einer neuen Eskalation der Spannungen.
Gemayels Phalange-Partei war im Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 die größte christliche Miliz, die gegen die islamisch-schiitischen Milizen Amal und Hisbollah kämpfte. Hauptgegner der antisyrischen Kräfte ist heute die an der Regierung beteiligte Hisbollah. Vor dem Attentat hatte die Hisbollah ihre Absicht erklärt, den von den USA unterstützten Ministerpräsidenten Fuad Siniora zu stürzen.
Die Vereinten Nationen sagten ihre Unterstützung bei der Aufklärung des Mordes an Gemayel zu. Der Sicherheitsrat folgte damit am Mittwoch einer Bitte der libanesischen Regierung. Die internationale Ermittlerkommission, die bereits das Attentat auf Hariri untersucht, soll den Behörden nun auch bei der Aufklärung des Anschlags auf Gemayel helfen.
Der Sicherheitsrat verurteilte einstimmig die Ermordung Gemayels und äußerte sich besorgt über die möglichen Folgen. Gemayel sei "ein Symbol der Freiheit und der politischen Unabhängigkeit" des Landes gewesen, erklärte der Sicherheitsrat.
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