Afrika-Blog: Teil 1: Ankunft in Maputo
VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 03.04.2006 - 18:41Sonntag, 2. April 2006, militärischer Teil des Flughafens Berlin-Tegel: Heute soll es also losgehen: die zehntägige Afrika-Reise mit dem Bundespräsidenten. Drei Länder will Horst Köhler besuchen: Mosambik, Madagaskar, Botswana. In jedem Land hat er ungefähr drei Tage für seinen Staatsbesuch. In Mosambik und Madagaskar war der Bundespräsident schon, in Botswana kennt er wenigstens den Präsidenten.
Die aktuelle Reise war eigentlich schon für das vergangene Jahr geplant, dann aber machte ihm die vorgezogene Bundestagswahl einen Strich durch die Rechnung. Einmal im Jahr, so hatte er zu Beginn seiner Amtszeit geäußert, wolle er nach Afrika fahren. Afrika liegt Köhler am Herzen, für ihn, so sagte er gleich, nachdem er ins Amt gewählt worden war, „entscheidet sich die Menschlichkeit unserer Welt am Schicksal Afrikas“.
Er will durch seine Reise auf den verloren gegebenen Kontinent zeigen, dass es nicht nur die oft zitierten Missstände in Afrika gibt, sondern auch viele gute Entwicklungen. Daher besucht er nun die drei Staaten, die als Reformerstaaten gelten und ein bisschen von der positiven Entwicklung zeigen. Bei seiner ersten großen Afrikareise besuchte er 2004 Sierra Leone, Benin, Äthiopien und Dschibuti.
Für mich beginnt die Reise in Düsseldorf, wo ich den Zug nach Berlin nehme. Vom Bahnhof Zoo in Berlin geht es weiter zum militärischen Teil des Flughafens Tegel. Dort logiert die Berliner Sektion der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums.
"Kleingeschenke"
Als wir auf das Gelände fahren, warnt uns eine Tafel: "Schusswaffengebrauch". Komisches Gefühl. Danach ist allerdings alles recht unscheinbar: kleine Halle, zwei Abfertigungsschalter, eine Sicherheitsschleuse, Mini-Warteraum. Die Halle ist picke-packe-voll mit Kartons und Paketen. „Kleingeschenke“ steht darauf oder „Hauptgeschenke“ oder auch „WM-Lederfußbälle“. Der Bundespräsident macht bei seinen Staatsbesuchen also auch gleich Werbung für die Fußball-Weltmeisterschaft. Qualifiziert hat sich von den drei Ländern, die er besucht, aber keines.
Noch vor dem Check-in bekommt jeder der Mitreisenden – Wirtschaftsvertreter, Journalisten, Schüler – einen Umschlag mit drei kleinen Büchlein, je einer Freundschafts-Anstecknadel mit kleinen Fähnchen für die drei Länder und drei Namensschildchen in die Hand gedrückt. Die drei kleinen Büchlein beinhalten das Programm – aber nicht nur das: Minutiös ist dort für jeden Staatsbesuch einzeln aufgelistet, wer wann was wo mit wem in welchem Auto und mit welchem Begleitschutz unternimmt und was er anhaben muss. Und das alles in schönstem Behördendeutsch.
Die Ankunft auf dem Flughafen Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, etwa liest sich in Auszügen so: „Die Medienvertreter verlassen das Flugzeug über die hintere Treppe. Der deutsche Botschafter und der mosambikanische Protokollchef begrüßen den Bundespräsidenten und Frau Köhler an Bord des Flugzeugs. Begrüßung durch den Präsidenten der Republik Mosambik und Frau da Luz Guebuza am Fuß der Treppe. (…) Die Präsidenten, Frau Köhler und Frau da Luz Guebuza (…) begeben sich zur Bildposition. (…) Der Bundespräsident und der Präsident der Republik Mosambik schreiten die Ehrenformation ab. (…) Verneigung vor den Fahnen.“
In Wirklichkeit ist das viel spannender, wie wir schon bei der Zwischenlandung auf dem Flughafen Kairo in Ägypten erfahren, wo die „Konrad Adenauer“, eines der beiden VIP-Flugzeuge der Bundesrepublik, aufgetankt werden muss. Da gehen der Bundespräsident und seine Frau Hand in Hand die Gangway herunter, werden unten auf dem roten Teppich vom Informationsminister begrüßt.
Montag, 3. April 2006, Ankunft in Maputo: So ähnlich wie in Kairo läuft es auch bei der Ankunft in Maputo ab, nur dass unten am roten Teppich eben der Staatspräsident von Mosambik steht. Dass sich Herr Köhler wegen des Windes immer mal wieder die Haare aus der Stirn streichen muss. Dass schon morgens um acht Uhr 23 Grad sind. Dass eine Kanone 21 Salutschüsse abgibt. Dass einem vor Ergriffenheit ein kleiner Schauer über den Rücken läuft, während die mosambikanische Staatskapelle die Nationalhymnen spielt. Und dass der Bundespräsident während der ganzen Zeremonie, während des Abschreitens der Ehrenformation und beim Begrüßen einiger Einheimischer und Deutscher am Rande des roten Teppichs ein Lächeln auf den Lippen hat.
Wahrscheinlich freut er sich trotz aller Etikette, endlich mal wieder auf dem afrikanischen Kontinent zu sein. „Der Bundespräsident fährt immer in freudiger Erregung nach Afrika“, hatte mir sein Sprecher, Martin Kothé, noch kurz vor der Abfahrt erzählt. Da geht’s Herrn Köhler ja wie mir. Wenn ich auch nicht daran gewöhnt bin, mit weißen Blusen und Hosenanzügen im Gepäck dorthin zu fahren. Aber das verlangt das Protokoll. Beim Staatsbankett käme ’ne Jeans wohl eher schlecht an.
Im Flugzeug aber, als er einmal aus dem für ihn und seine Frau abgetrennten Teil nach hinten zur Delegation kam, war selbst der Bundespräsident ganz leger. Im Pullover. Auch vom Umgang her war er sehr freundlich, plauderte ein wenig von seinen vorherigen Reisen nach Mosambik und Tansania, wo er im Nationalpark Ngorongoro am Fuße des Kilimandscharo auf Pirschfahrt ging. Erzählte, dass er es seiner Frau zu verdanken habe, dass er nun in Mosambik auch den früheren Präsidenten Südafrikas, Nelson Mandela, treffen werde. Danach verschwanden die beiden erst mal wieder: eine Runde schlafen vor der Ankunft.
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