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Teil 2: Unterwegs mit Frau Köhler

zuletzt aktualisiert: 04.04.2006 - 14:13

Montag, 3. April 2006: Nachdem  Bundespräsident Horst Köhler und seine Frau Eva Luise auf dem Flughafen Maputo, wie man so schön sagt, mit militärischen Ehren (siehe Bericht vom Sonntag) empfangen worden sind, geht es im Konvoi durch die Stadt. Saß in einem der hinteren Autos und dachte, dass das nun so einer der Autokorsos mit Begleitung von Polizeiautos und -motorrädern und viel Sirenenlärm ist, die mir sonst in Afrika immer so suspekt sind.

Wo ich manchmal gedacht hatte, dass am Straßenrand wahrscheinlich eine von den Sicherheit-leuten falsch gedeutete Bewegung reicht, sich in Lebensgefahr zu bringen. Ganz abgesehen von dem Höllentempo, das die Fahrer an den Tag legen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

In diesem Korso ging’s also zum Hotel, wo der Präsident gleich in ein Gespräch mit Experten der Entwicklungszusammenarbeit verschwand. Kurz darauf rasten wir zum Amtssitz des mosambikanischen Präsidenten Armando Guebuza, mit dem der Präsident erst zum Gespräch im kleinen, dann im etwas größeren Kreis verabredet war. Durch eine Panne konnten wir Journalisten Teile des Gesprächs mithören, etwa die langatmige, ausweichende Antwort des Präsidenten Mosambiks auf die Frage einer Einmischung in die Probleme des Nachbarlandes Simbabwe. 

Hier lässt Präsident Robert Mugabe Farmer gewaltsam vertreiben, um ihr Land anders zu verteilen. In der anschließenden kurzen Begegnung mit der Presse sprach der Bundespräsident deutliche Worte: Was in Simbabwe passiere, „findet nicht unsere Zustimmung“. Dennoch will er sich nicht einmischen – die Afrikaner seien selbst aufgefordert, dieses Problem zu lösen. Präsident Guebuza blieb vor der Presse erst recht schwammig: Man habe bereits mit den „Brüdern in Simbabwe“ geredet und werde weiter im Gespräch bleiben.

Während sich unser Bundespräsident am Nachmittag mit dem Parlamentspräsidenten trifft, geselle ich mich zu Frau Köhler, die am Morgen schon eine Grundschule und eine Aids-Tagesklinik besucht hat, in der über 3.000 Menschen mit antiretroviralen Medikamenten gegen die Immunschwächekrankheit versorgt werden. Die Aidsrate in dem knapp 20-Millionen-Einwohner-Staat Mosambik liegt bei etwa 13 Prozent. In dem Aids-Projekt der Laiengemeinschaft Sant’Egidio, das Frau Köhler besuchte, werden hiv-positive schwangere Frauen betreut und bei der Geburt begleitet, so dass ihre Kinder sich nicht infizieren.

Nachmittags schaute sich Frau Köhler ein Zentrum an, in dem Jugendliche andere Jugendliche aufklären und beraten. Erwachsene haben dort eigentlich keinen Zutritt. Das Projekt wird von Unicef unterstützt und baut darauf, dass die Jugendlichen eine niedrigere Hemmschwelle haben, über Sexualität und Aids zu reden, wenn sie das mit jungen Leuten in ihrem Alter tun können. Eine Theatergruppe führte für Frau Köhler, die wie ihr Mann natürlich auch immer von einem ganzen Tross von Begleitern umgeben ist, ein kleines Stück vor, das die Jugendli-chen sonst auf der Straße, in Schulen oder bei Festen aufführen.

Inhalt: Ein Mädchen braucht am Anfang des Schuljahres Geld, um seinen Schulbesuch zu bezahlen. Die Eltern haben keines, so dass die junge Frau auf den Rat einer Freundin hört, gegen Geld mit dem Nachbarn zu schlafen. Aber, schärft ihr die Freundin ein, nimm bloß ein Kondom. Als der böse Nachbar das hört, lacht er nur - und schwupps, schon ist das Mädchen (übrigens super dargestellt von einem Jungen!) schwanger. Normalerweise, erklären die Schauspieler Eva Luise Köhler, würden sie das Stück zwischendurch immer mal unterbrechen, um mit dem Publikum zu diskutieren. Die Bundespräsidenten-Gattin hat Glück – sie muss nicht diskutieren! Tolles Stück - schade war allerdings, dass Frau Köhler als einzige die Übersetzung aus dem Portugiesischen ins Ohr geflüstert bekam.

Großes Staatsbankett am Abend

Im Affenzahn ging’s im Konvoi zurück zum Hotel – beinah hätte ich den Anschluss verpasst, weil ich gerade noch dabei war, die Jugendlichen ein bisschen mehr über das Theaterstück zu befragen. Frage mich manchmal, ob dem Bundespräsidenten und seiner Frau die Hetzerei nicht auch auf den Keks geht! Von der Stadt sieht man leider nicht viel bei der Raserei. Dabei hat Maputo einige wirklich schöne Häuser (im Kolonialstil), und die Straßenszenerie mit ihren bunten Ständen und den vielen Menschen hat auch was!

Kaum im Hotel angekommen, mussten wir uns dann schon wieder alle in Schale werfen, weil für den Abend das Staatsbankett angesagt war. Mit so vielen weißen Blusen wie diesmal bin ich noch nie nach Afrika gefahren. Aber jetzt: Hosenanzug, weiße Blusen, langes Kleid… Bin immer erstaunt über den Bundespräsidenten, der ja auch bei der größten Hitze im Anzug auftaucht – und mit keiner Miene verrät, ob er ihn nicht gerade verflucht.

Beim Apéritif im Garten des Präsidentenpalastes (ganz nettes Anwesen ;-)) dürfen wir Pressevertreter noch anwesend sein, ebenso beim Toast der beiden Präsidenten auf den jeweils anderen und sein Land. Als es dann aber zur Vorspeise kommt, müssen wir gehen. Eigentlich aber auch ganz gut – den beiden Köhlers ist die Müdigkeit auch schon ein klein wenig anzusehen. Kein Wunder, die beiden haben zwar auf dem Hinflug eine Schlafkoje in der „Konrad-Adenauer“ gehabt – aber so richtig gut schläft man da sicher auch nicht.


 
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