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Attentäter am Istanbuler Flughafen
Trio plante offenbar Geiselnahme mit anschließendem Blutbad

Zerstörungen am Flughafen Istanbul
Zerstörungen am Flughafen Istanbul FOTO: afp, KLC
Istanbul . Die Umstände zwangen die drei Selbstmordattentäter vom Istanbuler Flughafen ihren plan zu ändern. Ursprünglich war offenbar eine Geiselnahme und ein Blutbad geplant.

Wie die regierungsnahe türkische Zeitung "Sabah" am Freitag berichtete, wollten sie im Flughafengebäude dutzende Geiseln nehmen, um dann ein Massaker anzurichten. Weil sie aber Verdacht erregten, seien sie schon früher zum Angriff übergegangen - andernfalls hätte es noch mehr Opfer gegeben.

Dem Bericht zufolge wurden Zivilisten und ein Polizist auf die Männer aufmerksam, weil sie trotz der Hitze Jacken trugen. Darunter verbargen sie ihre Sprengstoffwesten. Von der Polizei freigegebene Bilder der Videoüberwachungsanlage zeigen die drei mutmaßlichen Attentäter in dunklen Jacken.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte bei einem Besuch in Istanbul, die Täter hätten vorgegeben, im Namen des Islams zu handeln. "Mit dem Islam hat das nichts zu tun. Ihr Platz ist in der Hölle", fügte Erdogan hinzu.

Die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei Razzien in Istanbul seien nach dem Anschlag 24 Verdächtige festgenommen worden, darunter 15 Ausländer. Neun Festnahmen gab es auch in der westlichen Küstenstadt Izmir. Es war aber nicht klar, ob sie im Zusammenhang mit der Bluttat in Istanbul standen.

Bei dem Anschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen waren am Dienstagabend 44 Menschen getötet und mehr als 260 verletzt worden. Bevor die drei Attentäter sich an verschiedenen Stellen des Flughafens in die Luft sprengten, schossen sie noch auf mehrere Menschen. Die türkische Regierung vermutet, dass die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag steckt. Die drei Attentäter stammten demnach aus Russland, Usbekistan und Kirgistan.

Drahtzieher soll aus Tschetschenien kommen

Türkischen Medienberichten zufolge wird der aus Tschetschenien stammende Achmed Schatajew als Drahtzieher des Anschlags verdächtigt. Wie die Zeitung "Hürriyet" berichtete, ist er der Anführer der Istanbuler IS-Zelle. Er soll demnach auch die Anschläge auf eine deutsche Touristengruppe im Stadtviertel Sultanahmet im Januar und auf die Einkaufsstraße Istiklal im März gesteuert haben.

Laut "Hürriyet" hatten die Attentäter eine Wohnung im Stadtviertel Fatih gemietet und die Jahresmiete von 24.000 Lira (7500 Euro) im Voraus gezahlt. Nach Angaben einer Nachbarin wurde die Wohnung nach dem Anschlag durchsucht. Sie habe die Männer zwar nie gesehen, aber gehört, sagte die Nachbarin der Zeitung. Außerdem habe sie sich bei den örtlichen Behörden über einen "sehr komischen, chemischen Geruch" aus der Wohnung beschwert.

Die Zeitung zitierte auch einen Klempner, der einen kaputten Wasserhahn in der Wohnung reparierte. Einer der Männer, der nur gebrochen Türkisch gesprochen habe, sei in seine Werkstatt gekommen und habe ihn mit in die Wohnung genommen, berichtete der Handwerker. Dort habe er drei Männer gesehen. "Sie sahen aus wie Banditen", sagte der Klempner. "Einer hat die ganze Zeit neben mir gestanden."

Der republikanische Vorsitzende des Heimatschutz-Ausschusses im US-Repräsentantenhaus, Michael McCaul, sagte im Fernsehsender CNN, Schatajew sei "in der russischen Nordkaukasusregion wahrscheinlich der Feind Nummer eins". Er sei "mehrmals nach Syrien gereist" und zu "einem der führenden Kommandeure des IS-Kriegsministeriums" geworden.

(felt/AFP)
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