| 22.05 Uhr

Anschlag in Barcelona
Mindestens ein Verdächtiger kommt wieder frei

Terror-Anschlag von Barcelona: Verdächtiger gesteht Planung von noch größerem Anschlag
Im Schlafanzug zum Verhör: Mohamed Houli Chemlal. FOTO: afp
Barcelona. Ein Untersuchungsrichter in Spanien hat entschieden, dass drei der vier überlebenden mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle von Barcelona in Untersuchungshaft bleiben. Inzwischen wurde mehr über das Ausmaß der geplanten Anschläge öffentlich.   

Einer der Verdächtigen kommt nach der Entscheidung des Richters damit frei. Zwei bleiben ohne Möglichkeit, auf Kaution freizukommen in Gewahrsam, einer für zunächst weitere 72 Stunden und der vierte werde freigelassen, ordnete der Richter an.

Bei den Verhören habe zumindest einer der Verdächtigen gestanden, dass die Gruppe größere Sprengstoffanschläge unter anderem auf die weltberühmte Basilika Sagrada Familia in Barcelona geplant habe, berichteten die Zeitung "El Mundo" und andere Medien.

Bei einem Anschlag mit einem Lieferwagen in Barcelona und einer vereitelten Attacke im ebenfalls in Katalonien liegenden Küstenort Cambrils wurden am vorigen Donnerstag insgesamt 15 Menschen getötet. Die dafür verantwortliche Terrorzelle wurde nach Polizeiangaben zerschlagen. Neben den vier Gefassten soll die Gruppe weitere acht Mitglieder gehabt haben, die alle tot seien.

13 Tote auf Las Ramblas

Am Montag hatten Beamte in Subirats unweit von Barcelona den als Haupttäter geltenden Younes Abouyaaquoub erschossen. Der 22-Jährige soll den Lieferwagen gesteuert haben, mit dem Passanten auf der Flaniermeile Las Ramblas niedergefahren wurden. Dabei gab es 13 Tote. Auf seiner Flucht hatte der Marokkaner noch einen weiteren Menschen ermordet, um an das Auto des Mannes zu kommen.

Der als Kopf der Terrorzelle gesuchte Imam Abdelbaki Es Satty kam zusammen mit einem weiteren Terroristen wenige Stunden vor den Anschlägen bei der Explosion in einem Haus in Alcanar südlich von Barcelona ebenfalls ums Leben. Das bestätigte der Chef der Regionalpolizei von Katalonien, Josep Lluís Trapero, am Montag. Im Haus soll die Zelle ihre Anschläge geplant haben. Dort waren nach der Explosion 120 Gasflaschen und Sprengstoff gefunden worden.

Im Schlafanzug zum Verhör

Die Staatsanwältin, die am Verhör teilnahm, warf den Verdächtigen unter anderem Terrorismus, Mord und Sprengstoffbesitz vor, wie die Nachrichtenagentur Europapress berichtete. Ob die Männer in U-Haft kommen, entscheidet der Richter in den kommenden Tagen. 

Als Erster wurde am Dienstag Mohamed Houli Chemlal dem Richter vorgeführt. Der 21-Jährige war bei der Explosion in Alcanar verletzt worden. Der Marokkaner wurde in einem Schlafanzug und wie die drei anderen Männer in Handschellen zur Anhörung gebracht. Er habe ausgesagt, dass die Terrorzelle erwogen habe, neben der Sagrada Familia weitere wichtige Gebäude Barcelonas in die Luft zu jagen, wie "El Mundo" unter Berufung auf Justizkreise schrieb.

Den Berichten zufolge räumten nicht alle Verdächtige ein, in die terroristischen Aktivitäten verwickelt zu sein. Driss Oukabir (28) habe zum Beispiel zwar gestanden, den für den Anschlag in Barcelona benutzten Lieferwagen und ein weiteres Fahrzeug gemietet zu haben. Er habe nach eigenen Angaben aber gedacht, dass seine Bekannten damit einen Umzug machen wollten, berichteten Medien.

Kein Telefon, kein Bargeld

Die spanischen Ermittler wollen unter anderem auch feststellen, wo sich Abouyaaqoub in den drei Tagen nach dem Anschlag aufhielt und ob er auf der Flucht Hilfe erhielt. Medienberichten zufolge vermutet die Polizei, dass er zuletzt nur zu Fuß unterwegs gewesen sei. Er sei ungepflegt gewesen, schrieb die Zeitung "La Vanguardia". Abouyaaquoub habe die Kleidung gewechselt, habe aber keine Tasche, kein Telefon oder Bargeld bei sich gehabt.

Beim Anschlag in Barcelona und der vereitelten Attacke in Cambrils rund 100 Kilometer südwestlich der katalanischen Metropole starben insgesamt 15 Menschen. In Cambrils wurden zudem fünf Terroristen auf der Flucht erschossen. Es gab mehr als 120 Verletzte, darunter 13 Deutsche. 43 Verletzte wurden am Dienstag noch in Krankenhäusern behandelt, wie die stellvertretende Regierungschefin Soraya Saéz de Santamaría erklärte. "Einige befinden sich noch in kritischem Zustand", sagte sie.

(csi/AFP)
 
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