Videobotschaft: Terror-Chef al Sarkawi bangt um Macht
VON KARIM EL-GAWHARY - zuletzt aktualisiert: 27.04.2006 - 13:50Kairo (RP). Eigentlich ist es nicht sein Stil, sich im Bild zu zeigen. Doch diesmal machte der Al-Qaida-Chef im Irak, Mussab al Sarkawi, eine Ausnahme. In einem Video zeigt er sich beim Kampftraining, zusammen mit mehreren - allerdings maskierten - Gefolgsleuten. Er schmäht die US-Truppen und kündigte weitere Anschläge an. Dem neuen irakischen Premier Dschwad Malki wirft der Terror-Chef vor, nur ein Handlanger der USA und ein „vergifteter Dolch“ zu sein. Deshalb müsse Malki bekämpft werden.
Warum Sarkawi sein Gesicht zeigte - das ist die Frage, mit der sich arabische Kommentatoren und Politiker auseinandersetzen. Scheich Khalid al-Attiyah, der Vizepräsident des irakischen Parlaments, glaubt, der neueste Auftritt zeige, „dass Sarkawi die neue Regierung des Irak fürchtet, die die Schiiten, Sunniten und Kurden vereinigen wird“.
Der ägyptischer Experte für militanten Islam, Dia Rashwan, beschrieb das Videoband als „unprofessionell“. Sarkawi habe sich vor der Kamera ebenso unsicher verhalten wie Osama bin Laden vor zehn Jahren. Trotzdem habe Sarkawi die schwere Entscheidung getroffen, öffentlich in Erscheinung zu treten, weil er fürchte, von den neuesten politischen Entwicklungen im Irak überrollt zu werden.
Wenn sich die Sunniten weiter an den demokratischen Bemühungen beteiligen, analysiert der ägyptische Terrorexperte, bringt das Sarkawi in Nöte. Auch Abdel Bari Atwan, Chefredakteur der Tageszeitung „Al Quds Al Arabi“ glaubt, dass Sarkawi an die Öffentlichkeit gegangen ist, weil er fürchtet, an den Rand gedrängt zu werden, zumal Washington derzeit mit Sunniten und Schiiten Gespräche führt.
Ein weiteres Motiv für den Terror-Chef, sich zu zeigen, sind Gerüchte über seinen Gesundheitszustand oder seinen angeblichen Tod.
Sarkawi hielt sich auffällig zurück andere irakischen Gruppierungen der Aufständischen im Irak anzugreifen, die ihn in den letzten Monaten immer wieder wegen dessen Attentaten auf irakische Zivilisten kritisiert hatten. „Offensichtlich hofft er immer noch mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, glaubt Raschwan. Interessant ist auch, dass Sarkawi immer wieder den vor vier Monaten gegründeten „Rat der Mudschaheddin“ erwähnt, der eine Art Dachorganisation für die Aufständischen aller islamischen Richtungen darstellt. Die Existenz des Rates zeigt, dass al Qaida kein Monopol auf Anschläge habe.
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