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Anschläge in Barcelona und Cambrils
Auf der Jagd nach der spanischen Terrorgruppe

Fotos: Ermittlungen nach Terror in Barcelona und Cambrils
Fotos: Ermittlungen nach Terror in Barcelona und Cambrils FOTO: afp
Barcelona. Hinter den Anschlägen von Barcelona und Cambrils soll eine Terrorzelle mit bis zu zwölf Mitgliedern stehen. Die Polizei durchsuchte die Wohnung des Hauptverdächtigen. Vier Männer wurden festgenommen.

Die Gruppe soll ihre Angriffe seit längerer Zeit in der kleinen Ortschaft Alcanar vorbereitet haben, also etwa 200 Kilometer südlich von Barcelona. Das vermutet die Polizei, weil sich in der Gemeinde am Mittwoch eine Explosion ereignet hatte. Nach Informationen der Zeitung "El Pais" waren in einem Wohnhaus etwa 20 Gasflaschen gelagert worden. 

Bilder: Anschlag mit Lieferwagen in Barcelona FOTO: afp

Die Polizei geht davon aus, dass die Angreifer damit in Barcelona "einen oder mehrere Anschläge" verüben wollten, wie ein Sprecher sagt. Nach der Explosion hätten sie aber "nicht mehr das Material gehabt, um Anschläge noch größeren Ausmaßes zu verüben". Außerdem hätten sie sich gezwungen gesehen, ihre Planungen zu beschleunigen.

Am Donnerstag fuhr ein Lieferwagen über Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas. Das weiße Fahrzeug sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menschenmenge gerast, berichteten Augenzeugen. Der Fahrer soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe gewesen sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung "El Periódico de Catalunya" berichtete. 

Unter den Todesopfern waren zwei Italiener, ein Amerikaner und eine Frau aus Belgien. Die Nationalität der übrigen Opfer war zunächst nicht bekannt. 13 Deutsche wurden bei dem Anschlag in Barcelona verletzt, darunter waren drei Mädchen aus NRW

Polizist erschießt vier Angreifer

Freitagfrüh sollen fünf Männer in Cambrils kurz davor gestanden haben, einen ähnlichen Anschlag wie in Barcelona zu verüben. Sie hätten die Flucht ergriffen, als sie in ihrem Auto von der Polizei gestoppt worden seien, teilten die Ermittler mit. Die Verdächtigen seien davongerast und hätten Passanten angefahren. Dabei wurden sieben Menschen verletzt, eine Frau starb später.

Barcelona trauert am Tag nach dem Anschlag FOTO: afp

Auf der Flucht kippte das Fahrzeug um. Nach Angaben der Polizei verließen die Insassen mit Äxten und Messern bewaffnet das Fahrzeug. Zunächst hatte es geheißen, die fünf Männer hätten Sprengstoffgürtel getragen. Diese erwiesen sich später jedoch als Attrappen, teilte die katalanische Polizei mit. Ein einzelner Beamter habe vier der fünf Männer erschossen. Ein Kollege habe den fünften Verdächtigen getötet.

In Ripoll 100 Kilometer nördlich von Barcelona, in Cambrils und in Alcanar nahm die Polizei bis Freitag vier mutmaßliche Terroristen fest: drei Marokkaner und einen Anwohner aus der Nordafrika-Exklave Melilla. Sie seien 21, 27,34 und 38 Jahre alt, teilten die Ermittler mit, teilten die Sicherheitskräfte mit. Keiner von ihnen sei bis dahin durch terroristische Aktivitäten in Erscheinung getreten.

Hauptverdächtiger möglicherweise tot

Unter den festgenommenen Personen ist der Marokkaner Driss Oubakir. Er und ein weiterer Verdächtiger wurden in der Stadt Ripoll nördlich von Barcelona festgenommen. Ein vierter Verdächtiger, ein Spanier aus der Exklave Melilla, wurde in Alcanar im Süden Kataloniens in Gewahrsam genommen. 

Reisende berichten, wie sie den Donnerstag in Barcelona erlebten FOTO: sef

Der Haupttäter von Barcelona war offensichtlich nicht unter den festgenommenen Personen. Bei dem Mann könnte es sich nach übereinstimmenden Berichten der spanischen Presse um den den 17-jährigen Moussa Oukabir aus Ripoll handeln, dessen älterer Bruder festgenommen worden ist. Dafür gab es aber keine offizielle Bestätigung.

Die Ermittler prüfen nach eigenen Angaben, ob Moussa Oukabir unter den fünf Angreifern war, die in Cambrils erschossen wurden. "Es gibt mehrere Indizien, aber wir haben keinen konkreten Beweis", sagte ein Polizeisprecher. Später meldete die spanische Zeitung "El Pais", dass sich die Ermittler mittlerweile sicher sein. Offiziell bestätigt wurde das aber nicht. Man arbeite weiter daran, den Fahrer des Lieferwagens zu identifizierten, meldete die katalanische Polizei.

Die Terrormiliz IS reklamierte den Anschlag von Barcelona für sich. Ob eine Verbindung zwischen dem sogenannten Islamischen Staat und den Männern in Barcelona, Cambrils, Ripoll und Alcanar besteht, ist bislang nicht bekannt.

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(wer)
 
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