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Terror in Spanien
Barcelona-Anschlag – Polizei fahndet nach Fahrer des Vans

Bilder: Anschlag mit Lieferwagen in Barcelona
Bilder: Anschlag mit Lieferwagen in Barcelona FOTO: afp
Barcelona. Nach dem Terroranschlag mit einem Lieferwagen in Barcelona sucht die Polizei nach einem neuen Hauptverdächtigen. Der IS reklamiert mittlerweile auch den Anschlag in Cambrils für sich.

Der Haupttäter der Attacke in Barcelona ist möglicherweise noch auf freiem Fuß. Die Polizei sucht nach einem 22-jährigen Marokkaner und veröffentlichte ein Fahndungsfoto von Younes Abouyaaqoub. Es könnte sich nach Informationen spanischer Medien um den Fahrer des Lieferwagens handeln, der am Donnerstag auf der Flaniermeile Las Ramblas in die Menschenmenge gerast war.

Abouyaaqoub soll der Bruder eines der getöteten Terrorverdächtigen von Cambrils sein und aus Ripoll stammen. Unbestätigten Berichten zufolge könnte er Richtung Frankreich unterwegs sein und die spanisch-französiche Grenze bereits passiert haben. Medienberichte, nach denen Abouyaaqoub der Attentäter von Barcelona sein könnte, bestätigte die Polizei nicht. Es stehe weiterhin nicht fest, wer den Lieferwagen gesteuert habe, hieß es.

Barcelona trauert am Tag nach dem Anschlag FOTO: afp

Den ersten Ermittlungen zufolge soll eine Terrorzelle von zwölf Beteiligten für die Anschläge in Barcelona und in Cambrils verantwortlich sein. Die Gruppe soll von den Orten Ripoll und Alcanar in Katalonien aus agiert haben. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), die sich bereits zu dem Anschlag von Barcelona bekannt hatte, nahm nun auch den Anschlag von Cambrils für sich in Anspruch. "Zwei Dschihadisten-Einheiten" hätten die Angriffe auf "Kreuzritter" in Cambrils und Barcelona verübt, erklärte das IS-Sprachrohr Amaq am Samstag.

"Terrorzelle ist zerschlagen"

Die spanische Regierung hält die Terrorzelle für zerschlagen. Dies sagte Innenminister Juan Ignacio Zoido am Samstag vor Journalisten. Darin hätten die Sicherheitsexperten der Madrider Regierung auf einem Treffen übereingestimmt. "Wir können sagen, dass die Zelle von Barcelona total zerschlagen ist – und zwar auf der Grundlage der Personen, die ums Leben gekommen sind oder die festgenommen worden sind, sowie aufgrund der Identifizierungen, die vorgenommen wurden", sagte Zoido. Allerdings wurde die Zahl der Sicherheitskräfte an den von Touristen frequentierten Stätten erhöht. 

Der bisherige Hauptverdächtige des Anschlags in Barcelona, der 17 Jahre alte Moussa Oukabir, ist nach Angaben der Polizei zusammen mit vier anderen Verdächtigen in der Nacht zum Freitag bei einem Antiterror-Einsatz in Cambrils rund 100 Kilometer südlich von Barcelona erschossen worden. Zunächst hatte man vermutet, dass er der Fahrer des Vans, der in die Menschenmenge in Barcelona gerast war, gewesen sein könnte.

"Es ist eine Möglichkeit. Aber zu diesem Zeitpunkt (...) verliert sie an Gewicht", sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero in einem Fernsehinterview am Freitagabend. Es gebe derzeit keine "ausreichenden Beweise", dass Oukabir den Lieferwagen auf der Touristenmeile Las Ramblas in Passanten gesteuert habe. Offen sei auch, wie er nach der Tat von Barcelona nach Cambrils gelangt sein könnte.

Handyvideos zeigen die Panik nach der Terrorattacke in Barcelona

Vier Todesopfer noch nicht identifiziert

Bei der Attacke in Barcelona am Donnerstag waren mindestens 13 Menschen getötet worden. Eine Frau starb zudem nach einem vereitelten Angriff in der Küstenstadt Cambrils. Vier Todesopfer sind noch nicht identifiziert. Die Toten und Verletzten der beiden Attacken stammen aus 34 Ländern. 

50 Verletzte lägen in Kliniken in Barcelona, vier in Cambrils, teilten die katalanischen Notfalldienste am Samstag auf Twitter mit. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt. Unter ihnen sind auch viele Ausländer.

Gabriel legt Blumen nieder

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat unterdessen weiße Rosen am Tatort in Barcelona niedergelegt. An der weltberühmten Flaniermeile Las Ramblas gedachte er der 13 getöteten Menschen und mehr als 120 Verletzten aus mehr als 30 Ländern, unter denen auch 13 Deutsche sind.

Der Minister sprach von einem "fürchterlichen" Attentat. "Es gibt leider keine absolute Sicherheit gegenüber feigen Mördern", sagte er. "Wir wissen, dass die Terroristen versuchen, Angst und Schrecken in den Demokratien zu verbreiten."

(das/wer/dpa/AP/afp/REU)
 
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