Verbindung zwischen Anschlägen in Madrid und Casablanca: Terror in Madrid: Spuren führen zu El Kaida
zuletzt aktualisiert: 15.03.2004 - 19:54Madrid (rpo). Nach den verheerenden Terroranschlägen von Madrid konzentrieren sich die Ermittler zunehmend auf Spuren, die zum Terrornetzwerk El Kaida führen. Einer der Verhafteten habe Kontakte zu einer Kaida-Zelle.
Am Montag rückten mögliche Verbindungen zwischen den Attentätern in der spanischen Hauptstadt und in der marokkanischen Stadt Casablanca vor einem Jahr in den Blickpunkt. Die irische EU-Ratspräsidentschaft berief ein Justiz- und Innenministertreffen über eine bessere Sicherheitszusammenarbeit für kommenden Freitag ein.
Aus spanischen Behördenkreisen verlautete, einer der drei festgenommenen Marokkaner, Jamal Zougam, habe Verbindungen zum Chef einer mutmaßlichen spanischen El-Kaida-Zelle. Die spanische Zeitung "El País" und der Rundfunksender Cadena Ser berichteten unter Berufung auf einen Augenzeugen, Zougam sei am Donnerstag in einem der vier Züge gewesen, in denen Bomben gezündet worden seien. Die Polizei vermute, dass er Sprengsätze deponiert habe. Ein Sprecher des Innenministeriums, Richard Ibanez, sagte, dafür gebe es keinen Beweis. Einige Ermittler vermuteten, dass Zougam diese Rolle gespielt habe. Dies sei aber nicht die offizielle Linie der Ermittlungen.
Mitstreiter einer spanischen El-Kaida-Zelle
Zougam war laut Anklage vom September 2003 ein Mitstreiter von Imad Yarkas, dem mutmaßlichen Chef einer spanischen El-Kaida-Zelle. Yarkas soll an der Planung der Anschläge vom 11. September 2001 beteiligt gewesen sein und sitzt derzeit in Spanien in Haft. Zudem traf Zougam nach marokkanischen Angaben bereits 1993 einen mutmaßlichen Drahtzieher der Casablanca-Anschläge, Abdelaziz Benyaich. Der Franzose marokkanischer Herkunft wurde im vergangenen Jahr in Spanien verhaftet.
Zougam wurde aber nicht angeklagt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung sollen jedoch ein Videoband von Mudschahedin-Kämpfern in der russischen Republik Dagestan sowie die Telefonnummern von drei Mitgliedern der Madrider El-Kaida-Gruppe von Yarkas entdeckt worden sein.
Fünf Verdächtige
Gegen die beiden anderen in Madrid festgenommenen Marokkaner liegt nach Angaben der marokkanischen Behörden in ihrem Heimatland nichts vor. Ebenfalls festgenommen wurden zwei Inder. In einem der Züge, die am Donnerstag Ziel von Bombenanschlägen wurden, war eine Tasche mit Sprengstoff und einem Mobiltelefon gefunden worden. Die Spur führte die Polizei zu den fünf Verdächtigen.
Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern sagte bei der Einberufung des EU-Sondertreffens, unter anderem solle über eine "Solidaritätsklausel" gesprochen werde, die die Mitglieder zur gegenseitigen Hilfe verpflichte, ein EU-Koordinator zur Terrorismusbekämpfung ernannt und der Informationsaustausch von Geheimdiensterkenntnissen verbessert werden. Die Außenminister sollten die Diskussion auf ihrer Ratstagung am 25. und 26. März fortführen.
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