Blutige Anschläge: Terror meldet sich pünktlich zum 11. September zurück
zuletzt aktualisiert: 08.09.2006 - 14:45Kabul/Berlin (rpo). Drei Tage vor dem fünften Jahrestag der Terroranschläge am 11. September 2001 haben am Freitag blutige Angriffe in Afghanistan und Indien für Erschütterung gesorgt. Bei der Explosion einer Autobombe nahe der US-Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 15 Menschen getötet worden. Es war einer der schlimmsten Angriffe in Kabul überhaupt.
Auch Indien wurde am Freitag von einem Bombenanschlag erschüttert. Im Westen des Landes kamen mindestens zwanzig Menschen ums Leben. Etwa 150 weitere Menschen seien bei den Explosionen nach dem Freitagsgebet verletzt worden, sagte ein leitender Krankenhausarzt in der Stadt Malegaon im indischen Bundesstaat Maharashtra. Wodurch die Explosionen ausgelöst wurden, war laut Polizei zunächst nicht bekannt. Malegaon liegt rund zweihundert Kilometer nordöstlich der Küstenstadt Bombay.
Bei einem weiteren Anschlag auf schiitische Pilger im Irak wurden mindestens zwei Menschen getötet und mehr als 20 verletzt. Drei Mörsergeschosse seien in Mussajjib südlich von Bagdad in den Pilgerzug eingeschlagen, berichtete die Polizei am Freitag. Die Schiiten waren auf dem Weg in die ihnen heilige Stadt Kerbela, wo am Samstag zehntausende Gläubige erwartet werden.
In Bagdad war erneut eine Polizeipatrouille Ziel eines Bombenanschlags. Zwei Menschen wurden nach Angaben der Polizei getötet und sechs verletzt. Bei einer Serie von Anschlägen auf Polizisten waren am Donnerstag 17 Menschen ums Leben gekommen.
Gerade im Hinblick auf den tragischen Jahrestag des 11. Septembers am kommenden Montag macht die Anschlagsserie den Menschen wieder Angst. Plant das Terrornetzwerk Al Qaida etwa wieder einen Anschlag in der Größenordnung von damals? Oder bereiten auch andere Terrororganisationen Massenmord vor? Die Sicherheitsstufe wird in den kommenden Tagen allerorts verschärft.
Taliban bekennt sich
Bei dem Selbstmordanschlag in Kabul wurden zwei Soldaten der US-Armee getötet und zwei weitere verletzt, wie das Militär mitteilte. Nach Angaben der afghanischen Polizei kamen zudem elf Zivilisten ums Leben, 29 weitere wurden demnach verletzt. Zu der Tat bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin sagte, es sei naheliegend, dass es sich um einen Anschlag auf die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) gehandelt habe, da das Hauptquartier nur 150 Meter entfernt liege. Allerdings liegt auch die US-Botschaft nur in etwa hundert Metern Entfernung.
Es war einer der blutigsten Anschläge, die jemals in Kabul verübt wurden. Die Wucht der Explosion schleuderte Fahrzeugteile und Schutt dutzende Meter weit. Der Attentäter zündete die Bombe auf einer Zugangsstraße zum Massud-Platz, einem der belebtesten Orte der Stadt, der nach dem am 9. September 2001 ermordeten Anti-Taliban-Kämpfer Ahmed Schah Massud benannt ist. Dass nicht noch mehr Menschen zu Schaden kamen, lag daran, dass wegen der Freitagsgebete weniger Anwohner unterwegs waren als an anderen Tagen.
Bei einem Anschlag auf eine ISAF-Patrouille in der westlichen Stadt Farah wurden am Freitag vier italienische Soldaten verletzt, einer von ihnen schwer, wie das italienische Verteidigungsministerium mitteilte. Einzelheiten waren vorerst nicht bekannt.
ISAF drängt Rebellen in die Enge
Der Oberkommandierende der britischen Truppen in Afghanistan, Butler, forderte eine Verstärkung der ISAF, damit die NATO-Einsätze beschleunigt werden könnten. "Die Intensität und Gewalt der Kämpfe ist weitaus stärker als im täglichen Geschehen im Irak", sagte der Brigadegeneral dem britischen Nachrichtensender ITV News. Bei ihrer Offensive im Süden des Landes tötete die ISAF nach eigenen Angaben 21 Aufständische. Rund um die Stadt Kandahar werde "weiterhin Druck" auf die mutmaßlichen Taliban-Kämpfer ausgeübt, teilte die NATO-geführte internationale Truppe am Freitag mit. Sie habe in den Bezirken Pandschwaji und Shari etliche Kämpfer umzingelt.
Der Afghanistan-Einsatz stand auch im Zentrum des NATO-Militärausschusses am Freitag und Samstag in Warschau. Der NATO-Oberbefehlshaber in Europa, General James Jones, hatte am Donnerstag "eine bescheidene Verstärkung" um bis zu 2500 Soldaten gefordert. Der "New York Times" sagte er, bislang stünden nur 85 Prozent der erforderlichen Truppenstärke zur Verfügung. Der Kommandierende der Bodentruppen habe ihm versichert, "dass er sehr, sehr gut dastünde, wenn er das Gesamtpaket zur Verfügung hätte". Zurzeit sind rund 21.000 ISAF-Soldaten in Afghanistan, mehr als 10.000 davon im Süden des Landes. In diesem Jahr wurden bisher fast 90 ISAF-Soldaten getötet.
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