Nach dem Terror in Bombay: Terroristen tarnten sich als malaysische Studenten
zuletzt aktualisiert: 29.11.2008 - 17:49Bombay (RPO). Die Terrorattacken von Bombay sind beendet. Jetzt beginnen die Untersuchungen zu den Hintergründen der verheerenden Anschläge. Angeblich sollen sich einige Terroristen bereits seit einem Monat in Bombay aufgehalten haben. Sie gaben sich als malaysische Studenten aus. Ein Festgenommener gab dem indischen Geheimdienst zufolge an, aus Pakistan zu kommen.
Zu den Taten bekannte sich die bislang unbekannte islamistische Gruppe Deccan Mujahedeen. Die "New York Times" berichtete dagegen unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise, dass sich Hinweise verdichteten, nach denen die in Pakistan ansässige Rebellengruppe Lashkar-e-Taiba für die Angriffsserie verantwortlich sei. Ein Sprecher hatte zuvor eine Beteiligung seiner Gruppe bestritten.
Großeinsatz beendet Kampf um Taj Mahal
Indische Soldaten stürmten am Samstag das Luxushotel Taj Mahal und töteten dort die letzten drei Attentäter. Der Sturm der Eliteeinheiten auf die im Taj Mahal verschanzten Terroristen war mit schweren Waffen vorbereitet worden. Es gab heftige Explosionen, ein Teil des 595 Zimmer zählenden Hotels fing Feuer. Flammen und Rauch stiegen aus dem Gebäude auf.
Der Polizeichef von Bombay, Hasan Ghafoor, teilte schließlich mit: "Die Operation ist vorbei." Der Chef der Kommando-Einheit der Nationalen Sicherheitsgarde, J.K. Dutt, sagte: "Dort waren drei Terroristen, wir haben sie getötet." Auch ein Major seiner Einheit sei umgekommen.
Stunden vor der Befreiung des Taj-Mahal-Hotels hatten Elitekommandos bereits zwei andere Schauplätze der Terrorwelle gestürmt, das Hotel Oberoi sowie das Chabad-Lubavitch-Zentrum. In der jüdischen Einrichtung wurden die Leichen von acht Geiseln entdeckt, wie das israelische Außenministerium am Samstag bestätigte. Unter den Toten waren ein aus New York stammender Rabbiner und seine Frau. Der zweijährige Sohn des Paares war bereits am Donnerstag von einer Angestellten in Sicherheit gebracht worden.
Im Oberoi wurden 24 Leichen gefunden. Dutzende Menschen, darunter 20 Angestellte der Fluggesellschaften Lufthansa und Air France, wurden gerettet.
Leiche in verlassenem Fischerboot gefunden
In einem verlassenen Fischerboot vor der Küste von Bombay entdeckte die indische Marine eine Leiche. Marinesprecher Manohar Nambiar erklärte am Samstag, es werde untersucht, ob das Boot zur Vorbereitung der Terroranschläge benutzt wurde. Örtliche Medien berichteten, die Attentäter hätten das Fischerboot entführt, das im pakistanischen Karachi losgefahren sei. Bei dem Toten handele es sich um den Skipper.
Drei Deutsche ums Leben gekommen
Behördenangaben zufolge waren mindestens 26 Ausländer unter den Todesopfern. Ein ranghoher Vertreter der Behörde für innere Sicherheit sagte am Freitag in Neu Delhi, dass auch drei Deutsche ums Leben gekommen seien. Das Auswärtige Amt bestätigte am Samstag weiterhin nur den Tod eines Deutschen.
Den Angaben zufolge traf ein Team des Bundeskriminalamtes in Bombay ein, um den Hinweisen auf weitere Opfern nachzugehen. Weitere Todesopfer stammten Behördenangaben zufolge unter anderem aus Israel, den USA, Frankreich, Australien und Kanada.
Indische Regierung kündigt genaue Untersuchung
Der indische Regierungschef Manmohan Singh beriet am Samstag mit den Chefs der Streitkräfte sowie des Geheimdienstes. Der Premierminister fordere einen genauen Bericht der Angriffe, sagte ein Mitarbeiter. Es gehe darum, wie solche Gewalttaten in Zukunft verhindert werden könnten. Singh hatte zuvor "ausländische Kräfte" für die Angriffe verantwortlich gemacht. Das Nachbarland Pakistan wies jegliche Vorwürfe zurück und verurteilte die Taten.
Das pakistanische Kabinett kam zu einer Sondersitzung zusammen, um über die Vorfälle in Bombay zu reden. Eine Reise des Chefs des Geheimdienstes ISI nach Indien sagte die Regierung jedoch kurzfristig ab. Stattdessen werde ein einfacher "Vertreter" des Geheimdienstes zur Untersuchung der Anschlagsserie nach Bombay reisen, hieß es in einer Erklärung.
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