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Terrormiliz geleakt
Was die Dokumente über die enttarnten IS-Kämpfer verraten

In diesen Ländern gibt es gefährliche IS-Ableger
In diesen Ländern gibt es gefährliche IS-Ableger
London . Ein britischer Fernsehsender hat nach eigenen Angaben die persönlichen Daten von rund 22.000 Dschihadisten zugespielt bekommen. Darin sind deren Funktionen beim IS, ihre Telefonnummern, Familienumfeld und sogar Blutgruppen aufgeführt. Ob und wie viele in Deutschland lebende Kämpfer unter ihnen sind, ist bislang unklar. Von Jessica Kuschnik

Für die Ermittlungsbehörden ist es ein riesiger Coup – eine "Goldmine", sagt der Terrorismus-Experte Richard Barrett (ehemals MI6) gegenüber dem Fernsehsender "Sky News". Diesem soll ein ehemaliges Mitglied der Terrormiliz IS, der sich selbst Abu Hamed nennt, Datensätze von über 20.000 Dschihadisten per USB-Stick zugespielt haben. Darin enthalten sind Telefonnummern, Adressen, Familienkontakte, aber auch Eintrittsdatum und andere Details, die den Ermittlungsbehörden weiterhelfen könnten.

Wer steht auf der Liste?

Aufgelistet sind laut "Sky News" rund 22.000 Namen. Die IS-Mitglieder kommen demnach aus 51 Ländern, darunter aus Großbritannien, mehreren nordeuropäischen Staaten, den USA, Kanada sowie zahlreichen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas. Aufgelistet sind sowohl bekannte als auch bereits getötete Dschihadisten, aber auch Kämpfer, die den Behörden bislang unbekannt waren. 

"Sky News" veröffentlicht einige der Namen von IS-Kämpfern, die bereits bekannt sind: Abdel Bary aus London, 26 Jahre alt, dem IS beigetreten im Jahr 2013, zuvor Aufenthalte in Libyen, Ägypten und der Türkei, Funktion Kämpfer, Aufenthaltsort unbekannt – in England war er Musiker. Bereits tot sind Junaid Hussain, der zusammen mit seiner Frau Sally Jones Angriffe in England geplant haben soll, und Reyaad Khan aus Cardiff, dem IS beigetreten im Jahr 2013, bekannt geworden durch ein IS-Propaganda-Video.

Stehen auch Deutsche auf der Liste? 

Das ist bislang unklar. Jedoch haben Ermittlungsbehörden mehrerer Länder bereits Interesse an den Datensätzen bekundet, unter anderem die Schweiz, wie Medien berichten. 

Was steht in den Dokumenten?

Wer dem IS beitreten möchte, muss demnach einen Fragebogen mit 23 Fragen beantworten: Adresse, Telefonnummer, Angehörige, Ausbildung, Kampftätigkeit, Blutgruppe, Kenntnisse im islamischen Scharia-Recht, Reiserouten. Demnach sind viele von ihnen mehrfach durch den Jemen, Libyen, Pakistan und Afghanistan nach Syrien gereist, um dort zu kämpfen – ohne kontrolliert worden zu sein, berichtet "Sky News".  

Eine besonders wichtige Akte ist mit dem Vermerk "Märtyrer" versehen. Darin aufgelistet ist eine Gruppe von IS-Kämpfern, die ausdrücklich als Selbstmordattentäter eingesetzt werden wollen und dafür ausgebildet worden sein sollen. 

Sind die Daten echt?

Der Fernsehsender "Sky News" hat sich dazu bereits mit Terror-Experten auseinandergesetzt und die sagen, dass sie echt sind. Dafür spricht, dass die Daten bereits bekannter Terroristen aufgeführt sind. Viele der in den Listen enthaltenen Telefonnummern seien noch aktiv, berichtet "Sky News". Sie gehörten Familienmitgliedern, aber auch den IS-Kämpfern selbst. 

Was passiert mit den Daten?

Die britischen Ermittlungsbehörden wurden bereits informiert, schreibt "Sky News". Auch andere Länder wie die Schweiz haben Interesse an den Dokumenten. Sie zeigen, wie der IS strukturiert ist und wie er funktioniert. Ob sie zur Zerschlagung der Terrormiliz führen könnten? Britische Experten sprechen von wichtigen Schlüsselinformationen, die es so noch nicht gab. Bis diese allerdings ausgewertet sind, könnte es eine Weile dauern: "Sky News" spricht von Tausenden Seiten und rund 500.000 Datensätzen.  

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