Nach dem Ende der Proteste: Thailand - ein gespaltenes Land
VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 14.04.2009 - 14:45Düsseldorf (RPO). Ein erneuter Putsch in Thailand ist offenbar vereitelt. Die protestierenden regierungsfeindlichen Rothemden riefen nach einem massiven Militäraufgebot der Regierung zum Ende der Proteste auf. Thailand kommt seit über zwei Jahren nicht zur Ruhe. Bis Dezember 2008 waren es die königstreuen Gelbhemden, die protestierten, Regierungsgebäude stürmten und Straßen blockierten. Warum sich Rot- und Gelbhemden unversöhnlich gegenüberstehen.
Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva ist gerade einmal 44 Jahre alt, hat in Oxford studiert und galt als Hoffnungsträger für Thailand. Bei der Amtsübernahme kündigte er an, das tief gespaltene Land versöhnen zu wollen. Hoffnungen, dass ihm dies gelingen könnte, haben sich spätestens am Samstag zerschlagen, als die gegen ihn protestierenden rot gekleideten Regierungsgegner den Gipfel der asiatischen Staatengemeinschaft Asean sprengten.
Inzwischen haben die nach ihren roten T-Shirts benannten Rothemden zu einem Ende der Proteste aufgerufen, bei denen es bisher zwei Tote gegeben hat. Die Demonstrationen sind dennoch Ausdruck eines tief gespaltenen Landes, das seit Jahren nicht zur Ruhe kommt. Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva ist ein Repräsentant der gebildeten königstreuen Elite des Landes, die protestierenden Rothemden sind Anhänger des 2008 gestürzten ehemaligen Ministerpräsodenten Thaksin Shinawatra. Die populistische Politik Thaksin fand vor allem unter der armen nördlichen Landbevölkerung Unterstützung. Während er Demonstrationen heizte er die Stimmung im eigenen Land aus dem Exil heraus an.
Die Dauer-Krise im Urlaubsparadies schwelt seit spätestens September 2006. Damals nutzte das mächtige Militär eine Auslandsreise von Regierungschef Thaksin zum Putsch gegen den populistischen Regierungschef. Doch auch bei der folgenden Parlamentswahl im Dezember 2007 siegte die Partei Thaksins, die Volksmacht-Partei/PPP, zum Unmut der etablierten Eliten. Damit gelang Thaskin, was noch keinem thailändischen Premier zuvor gelang: Ein zweites Mal gewählt zu werden.
Die Folge waren andauernde Proteste gegen die alte und neue Regierung, die in einer Massendemonstration am 25. November mündet. Damals trafen regierungsfeindliche Gelbhemden Thailand an seiner empfindlichsten Stelle: Dem Tourismus. Sie besetzten den Flughafen von Bangkok, 300.000 ausländische Touristen und Geschäftsleute saßen fest. Am 2. Dezember wurde die PPP durch das Verfassungsgericht verboten – der Vorwurf: Wahlbetrug. Die Anhänger der Partei hielten das für ein politisch motiviertes Urteil.
Die Armee des Landes ist seitdem gespalten. Sie gilt als regierungstreu, ein Offizier äußerte am Sonntag aber auch Sympathien für Rothemden: "Als thailändischer Bürger ist dies für mich das größte Dilemma, das ich je erlebt habe. Ich weiß, dass die einfachen Leute alle hinter den Rothemden stehen", sagte er der "Sunday Times".
Am Montag kündigten die Demonstranten ein Ende der Proteste an. Doch die tiefe Spaltung des Landes bleibt – und ein Gesichtsverlust für Abhisit Vejjajiva. Ihm ist es nicht gelungen, die hohen Teilnehmer des Asean-Gipfels zu schützen, sie mussten mit Militärhubschraubern in Sicherheit gebracht werden. Schon am Sonntag schrieb die „Bangkok Post“, Vejjajiva habe politisch versagt.
Zurück bleibt ein Land, in dem sich zwei Gruppen nach wie vor unversöhnlich gegenüberstehen: Die Rothemden haben es der politischen Elite nicht verziehen, dass ihre Partei verboten wurde, obwohl die Gelbhemden-Fraktion in ihren Protesten gegen Thaksin nicht weniger zimperlich waren. Gegen Thaksin hat das Militär geputscht, er war es, den das Verfassungsgericht aus dem Amt jagte, nachdem er zum zweiten Mal die Wahl gewann.
Auch der 81-jährige König Buhmibol eignet sich inzwischen nicht mehr als Integrationsfigur. Der König, der laut Verfassung nur repräsentative Funktion aber de facto eine mächtige Position innehält, wird zwar auch von vielen Rothemden geschätzt – seine Berater jedoch immer häufiger kritisiert. Der Hass auf den jeweiligen Gegner ist ungebrochen, eine Aussöhnung lange nicht in Sicht.
Politische Unruhen und Umstürze haben eine lange Tradition in Thailand. Seit 1932 gab es in Thailand insgesamt 18 Staatsstreiche. So kamen beispielsweise am 6. Oktober 1976 bei Studentenprotesten offiziell 46 Menschen ums Leben, als rechte Paramilitärs ein Massaker unter den Studenten anrichteten. Die Studenten protestierten damals gegen die Rückkehr von General Thanom Kittikachorn, der 1971 an einem Staatsstreich beteiligt war.
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