| 19.41 Uhr

Theresa May
Großbritannien wird wieder von einer Frau regiert

London. Theresa May übernimmt von David Cameron. Sie muss den Brexit umsetzen, will sich aber nicht nur über Europa definieren. Von Jochen Wittmann

Endlich angelangt. Theresa May steht vor der Tür zur Downing Street Nummer 10 und bemüht sich um Fassung. Vor wenigen Minuten kam sie vom Buckingham-Palast zurück, wo sie der Queen symbolisch die Hand küsste und von Elizabeth II. zur Premierministerin ernannt wurde. Jetzt hält sie ihre erste Ansprache als Regierungschefin an das britische Volk. Meine Regierung, sagt sie, "wird nicht das Interesse der Reichen oder Mächtigen oder Privilegierten im Auge haben, sondern eures". Mit dem Brexit stehe das Land vor großen Herausforderungen, aber sie werde "eine kühne, positive Rolle für Großbritannien in der Welt schmieden". Sie endet mit dem Versprechen: "Zusammen werden wir ein besseres Großbritannien bauen."

Die Botschaft an die Briten ist klar: May will eine Regierung führen, für die soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt steht. Und der restlichen Welt signalisiert sie: Die britische Regierung ist nach dem Brexit-Chaos wieder handlungsfähig. Dann dreht sich Theresa May um und verschwindet hinter der schwarzlackierten Tür mit der silbernen Nummer 10. Die Arbeit beginnt. May muss nun das Land durch die Brexit-Stürme steuern.
Der Tag hatte mit einem Abschied von der Downing Street begonnen. Um kurz vor zehn trat Noch-Premier David Cameron vor die Tür und stieg in seinen Dienstwagen. Zum letzten Mal ließ er sich die kurze Strecke vom Regierungssitz zum Unterhaus fahren. Und zum letzten Mal hat er sich dort in der wöchentlichen Fragestunde den Abgeordneten gestellt. Am Ende passierte dort etwas Seltenes: Die Abgeordneten erhoben sich von ihren Sitzen und applaudierten Cameron.

Seiner Nachfolgerin bleibt es nun überlassen, Camerons Niederlage beim Brexit-Referendum auszubaden. May, die im Wahlkampf im Lager der EU-Freunde stand, hat versichert: "Brexit bedeutet Brexit, und wir machen daraus einen Erfolg." Sie ist als zähe Verhandlungspartnerin bekannt. Doch ob sie erreichen kann, Zugang zum Binnenmarkt zu bekommen, wenn sie gleichfalls Einschränkungen bei der Personenfreizügigkeit will, ist ungewiss. May hat schon klargemacht, dass sie sich und ihre Amtszeit nicht nur über Europa definieren will. Beim Kurs der Sozialreformen, so hat May unterstrichen, bleibt es, aber in der Wirtschafts- und Finanzpolitik wird es Änderungen geben.

Quelle: RP
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