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Pleiten, Pech und Husten
Theresa May kämpft sich durch Albtraum-Auftritt

Theresa May kämpft sich durch Albtraum-Auftritt
Theresa May erlebte einen schweren Nachmittag. Erst kam ein Komiker und nahm sie aufs Korn... FOTO: dpa, joh kno
Manchester. Die britische Premierministerin Theresa May hat auf der Konferenz ihrer Konservativen in Manchester eine von mehreren Pannen begleitete Rede gehalten. Immer wieder musste sie husten, dann unterbrach sie ein Komiker, am Schluss fielen Teile der Kulissen herunter. 

Dabei war es May besonders ernst gewesen mit ihrer Ansprache. Sie gelobte wirtschaftliche Hilfe für sich abmühende Familien, für die sich "der Britische Traum, der Generationen von Briten inspiriert hat, zunehmend außer Reichweite anfühlt", wie die Premierministerin sagte.

...dann fiel noch ein F aus der Kulisse. FOTO: afp

Die Rede war darauf angelegt, Mays Position an der Parteispitze zu festigen. In der Partei rumort es. Einige Rivalen haben sich hervorgetan, darunter der ambitionierte Außenminister Boris Johnson.

Komiker überreicht Arbeitslosenformular

Mays Plan ging jedoch nicht auf. Ganz im Gegenteil: Immer wieder musste sie wegen ihres Hustens Pausen einlegen, ihre Stimme klang heiser. Während der Rede gelang ein Mann aufs Podium, der ihr ein Arbeitslosenformular überreichte. Als er schließlich von der Bühne gezerrt wurde, sagte er angelehnt an Mays innerparteilichen Rivalen Johnson: "Boris hat mir gesagt, dass ich das tun soll." Medienberichten zufolge soll es sich bei dem Spaßvogel um den Comedian Simon Brodkin handeln.

Der Mann wurde nach Angaben der Polizei vorübergehend festgenommen. Er habe eine gültige Akkreditierung für die gut gesicherte Konferenz gehabt. Mays Büro teilte mit, es werde sorgfältige Ermittlungen geben.

Doch damit nicht genug: Kurz vor Ende der im Fernsehen übertragenen Rede lösten sich zwei Buchstaben aus dem Slogan, der auf der Wand hinter May befestigt worden war.

May versucht es bei Twitter mit Humor

May versuchte später, ihre Hustenprobleme auf die leichte Schulter zu nehmen. Sie stellte ein Foto lauter Medikamente neben dem Manuskript ihrer Ansprache auf Twitter. Dazu schrieb sie nur ein von Sternchen eingerahmtes Wort: "Husten."

Um Politik ging es so nur am Rande. May versuchte, ihre Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit sowie ihre Arbeit gegen Rassismus, moderne Sklaverei und Kindesmissbrauch herauszustellen. Auch etwas Privates gab sie preis: "Es ist immer sehr traurig gewesen für mich und (ihren Ehemann) Philip, dass wir nicht mit Kindern gesegnet worden sind", sagte sie.

May entschuldigt sich für schwaches Ergebnis

Zugleich entschuldigte sich May in ihrer Rede bei ihren Parteifreunden für das schlechte Abschneiden der Konservativen bei der Parlamentswahl im Juni. Der Wahlkampf sei zu sehr nach Drehbuch und zu präsidial verlaufen, sagte sie. "Ich habe den Wahlkampf angeführt, und es tut mir leid", erklärte May.

Angesichts des alles überstrahlenden Themas Brexit sagte May, ihre Regierung bereite sich bei den Verhandlungen mit der EU auf "jede Eventualität" vor. Dazu zähle auch ein Ende ohne Vertrag. Es sei zwar im höchstem Interesse des Landes, dass die Verhandlungen erfolgreich verliefen und zu einer neuen Beziehung zwischen dem Königreich und der EU führten.

Doch gehöre es zur Verantwortung einer Regierung, auf alles vorbereitet zu sein. "Und lassen Sie mich jedem in diesem Saal versichern - das ist exakt das, was wir tun."

(csi/ap)
 
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