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Aufstand in chinesischer Provinz Gansu: Tibetische Reiterhorde stürmt Stadt

zuletzt aktualisiert: 19.03.2008 - 18:48

Gansu/Dharamsala/Peking (RPO). Über tausend Tibeter, zahlreiche von ihnen zu Pferd, haben offenbar eine entlegene Stadt in der chinesischen Provinz Gansu gestürmt. Sie hätten ein Regierungsgebäude angegriffen und die tibetische Flagge gehisst, berichtete der kanadische Fernsehsender CTV. Rund hundert schwerbewaffnete Soldaten gingen mit Tränengas gegen die Tibeter vor.

Die Fernsehbilder zeigten jubelnde Tibeter beim Sturm auf eine ungenannte Stadt in der nordwestchinesischen Provinz, ihre Pferde wirbelten dabei eine Staubwolke auf, einer der Reiter hielt eine riesige Flagge hoch. Dem Bericht zufolge forderten sie die Unabhängigkeit Tibets von der Volksrepublik.

In dem TV-Beitrag waren laute Detonationen zu hören. Zugleich waren zahlreiche tibetische Männer und Frauen zu sehen, die in Panik flüchteten. Einige von ihnen bedeckten offenbar wegen des Tränengases ihren Mund. Ein Mann blutete heftig aus einer Kopfwunde, er berichtete einem CTV-Reporter, dass er geschlagen worden sei. Zu sehen war auch, wie eine Gruppe von Menschen die chinesische Flagge von einem Schulgebäude herunterholte und stattdessen die Fahne Tibets hisste. Dem CTV-Reporter zufolge ereigneten sich ähnliche Szenen auch in anderen chinesischen Städten.

Dalai Lama bittet um Hilfe

Unterdessen hat der Dalai Lama die internationale Gemeinschaft bei der Lösung des Konflikts zwischen China und Tibet um Hilfe gebeten. "Ich ersuche die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für unsere Anstrengungen, die Probleme des Tibet mittels Dialog zu lösen", erklärte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Mittwoch im indischen Dharamsala.

Der Chef der Kommunistischen Partei in Tibet, Zhang Qingli, bezeichnete den Dalai Lama als "Wolf in Mönchskutte". "Wir befinden uns derzeit in einem heftigen, blutigen und scharfen Kampf mit der Clique des Dalai Lama, einem Kampf auf Leben und Tod mit dem Feind", zitierte ihn die Zeitung "Tibet Daily".

Der Dalai Lama rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Peking zu einem Dialog mit den Tibetern zu drängen. Zudem sollten die Staats- und Regierungschefs Druck ausüben, damit sich China im Umgang mit den Protesten in der Himalaya-Region "zurückhalte". Er bleibe aber dem Weg des Dialogs verpflichtet, um eine Lösung zum beiderseitigen Vorteil zu finden, erklärte der Dalai Lama. Die blutigen Proteste erklärte er als einen "spontanen Ausbruch von öffentlichem Ärger", der durch jahrelange Unterdrückung ausgelöst worden sei.

Die kommunistische Partei in Tibet rief hingegen zum Zusammenhalt im Kampf gegen den "Separatismus" und die "Clique des Dalai Lama" auf. Der Mönch sei "ein Monster mit menschlichem Gesicht". Chinas Regierungschef Wen Jiabao hatte am Dienstag erklärt, er sei bereit, mit dem Dalai Lama zu sprechen, wenn dieser seine Bemühungen um eine Unabhängigkeit des Tibet aufgebe. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter hat hingegen immer wieder betont, ihnen gehe es lediglich um mehr Autonomie.

Einen Tag nach dem Ablauf eines Ultimatums der chinesischen Regierung stellten sich am Dienstagabend laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua in Tibet 105 "Aufrührer", die an den Protesten in der Hauptstadt Lhasa beteiligt gewesen seien, den Behörden.

Nach Angaben von Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen nahmen die chinesischen Behörden insgesamt hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen fest, nachdem am vergangenen Freitag Demonstrationen zum 49. Jahrestag eines Aufstandes gegen die chinesischen Besatzer eskalierten.

Wieczorek-Zeul will Verhandlungen mit China aussetzen

Angesichts des Tibet-Konflikts kündigte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) die Aussetzung der Regierungsverhandlungen mit China an. Die im Mai anstehenden Verhandlungen des Ministeriums mit China würden so lange auf Eis gelegt, bis die Gewalt in Tibet ein Ende gefunden habe, erklärte Wieczorek-Zeul in Berlin. "Gewalt kann niemals eine Lösung sein, nur über den Dialog können beide Seiten zu einer Lösung kommen", betonte die Ministerin.

Quelle: afp

 
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