Westsahara-Region: Tote bei Räumung von Flüchtlingslager
zuletzt aktualisiert: 08.11.2010 - 20:08Laâyoune (RPO). Bei der Räumung eines Flüchtlingslagers in der umstrittenen Westsahara-Region durch marokkanische Einheiten sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die marokkanischen Sicherheitskräfte stürmten am Montag das am Rande der Stadt Laâyoune gelegene Lager, in dem nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen rund 12.000 Menschen seit vier Wochen aus Protest gegen die Lebensbedingungen in der Westsahara ausharrten.
Dabei kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen, laut der Regierung in Rabat wurden zwei Polizisten und ein Feuerwehrmann getötet. Die in der Westsahara aktive Rebellengruppe Polisario teilte mit, dass auch ein Zivilist umgekommen sei.
Demonstranten hätten Banken und Cafés in Laâyoune angegriffen, teilten die marokkanischen Behörden mit. Insgesamt seien 70 Menschen verletzt worden. Die im Nachbarland Algerien ansässige Exilregierung der Polisario sprach dagegen von "hunderten Verletzten". Marokko hatte die Westsahara nach Abzug der spanischen Kolonialmacht 1975 annektiert, worauf die Polisario mit algerischer Unterstützung einen bewaffneten Aufstand begann und einseitig die Unabhängigkeit der Region erklärte.
Die nach einem Waffenstillstand von 1991 von der UNO geförderten Verhandlungen zur Lösung des Westsahara-Frage blieben bislang ergebnislos. Marokko will dem früheren spanischen Kolonialgebiet mit seinen reichen Phosphat-Vorkommen allenfalls eine weitreichende Autonomie, keinesfalls aber die Unabhängigkeit zugestehen. Für Montag geplante Gespräche zwischen Vertretern Marokkos und der Polisario in New York wurden laut UNO nach der Räumung des Flüchtlingslagers zunächst verschoben, dann später aber doch aufgenommen.
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