Thailand: Touristen wollen endlich nach Hause
VON GODEHARD UHLEMANN - zuletzt aktualisiert: 03.12.2008 - 07:17Bangkok/Düsseldorf (RPO). Die Regierungsgegner in Thailand haben die Blockade an den beiden Flughäfen in Bangkok in der Nacht zum Mittwoch beendet. Deutsche Touristen sind schon wieder auf dem Weg nach Thailand.
Die Demonstranten in Thailands Hauptstadt Bangkok sind glücklich. Das Verfassungsgericht hat am dienstag die Regierungspartei "People’s Power Party" (PPP) verboten und Ministerpräsident Somchai Wongsawat des Amtes enthoben. Die Regierungsgegner jubeln, ihre Forderungen seien endlich erfüllt worden, sie wähnen sich am Ziel ihrer politischen Träume.
Daher fiel dem Vorsitzenden der Protestbewegung der Volksallianz für Demokratie, Sondhi Limthongkul, auch der Satz leicht, am Mittwoch werde die Blockade der Flughäfen aufgehoben. Gesagt, getan: Bei einer symbolischen Übergabe reichten sich der Chef der Betreibergesellschaft, Vudhibhandhu Vichairatana, und Vertreter der Protestbewegung die Hand. Am frühen Nachmittag (Ortszeit) solle eine Maschine der Thai Airways aus Phuket landen, sagte eine Sprecherin des internationalen Flughafens Suvarnabhumi.
Nun können die noch festsitzenden internationalen Urlauber, die übermüdet und ermattet in den Abflughallen ausharren, endlich in ihre Heimatländer zurückkehren. Doch wirklich jubeln können die noch längst nicht.
Passagierverkehr erst Mitte Dezember?
Aus Bangkok kommen ganz andere Signale der Flughafenbehörde. Die Öffnung für den Passagierverkehr könne sich noch bis Mitte Dezember hinziehen. Begründet wird das mit Sicherheitsüberprüfungen. Alle technischen Einrichtungen der Flughäfen Suvanabhumi und Don Mueang müssten auf ihre Funktionstauglichkeit überprüft werden. Es müsse geklärt werde, ob während der Blockade die Computersysteme Schaden genommen und die Eincheckschalter beschädigt worden seien.
Regierungssprecher Nattawut Sai-kau kann da nicht wirklich für Aufklärung sorgen. Er sagt, die Passagierflugzeuge können bereits ab Freitag wieder starten. Doch wenn alles so schnell geht und die Rückkehr zur Normalität so problemlos scheint, warum verkündet er im gleichen Atemzug, dass der für diesen Monat in Thailand geplante Gipfel der Asean-Länder auf März verschoben werden müsse? Traut er dem Frieden nicht, sieht er neue Unruhen aufziehen? Die Anhänger der Regierung haben auf das Betätigungsverbot für die Regierungspartei mit Wut und Empörung reagiert. Sie kündigten massiven Widerstand an.
Anke Frese, Pressesprecherin von Meier's Weltreisen, konnte gegenüber unserer Zeitung die baldige Flughafenöffnung in Bangkok nicht bestätigen. "Wir wissen nur, dass der Frachtverkehr wieder angelaufen ist." Den Rest müsse man abwarten.
Thailands Frachtspediteure sprachen nur von einer befristeten Flugerlaubnis für Transportmaschinen bis heute Abend. Doch der Verband geht von einer Verlängerung aus, da die wirtschaftlichen Verluste bereits jetzt enorm seien.
192 Tage hat die Oppositionskampagne gegen Thailands Regierung gedauert. Hat das einen Einfluss auf das Buchungsverhalten der Deutschen und insbesondere der Thailand-Urlauber? "Gästegruppen beschimpften uns, weil wir nicht flogen, die Vorsichtigen buchten um, andere sagten nur ab", sagte Frese. "Von 500 vorgesehenen Thailand-Urlaubern diese Woche fliegen 250. Nur fliegen sie nicht über Bangkok wie ursprünglich geplant, sondern sie steuern gleich das Badeparadies Phuket an. Wir sind erstaunt, wie viele Touristen es angesichts der Nachrichtenlage sind."
Es fehlen Neubuchungen
Wenn es nun in Thailand friedlich bleibe, werde sich nach Einschätzung von Anke Frese der Thailand-Tourismus schnell normalisieren. Thailand-Reisende seien Wiederholungstouristen, es seien Stammkunden. "Was uns fehlt sind Neubuchungen, wie es um den Weihnachtsurlaub steht und ob es Absagen gibt, ist noch nicht ganz klar. Das hängt auch von der weiteren Entwicklung in Thailand ab."
Doch das Image von Thailand als Reiseland ist beschädigt. Rund 350.000 Urlauber, darunter mehrere hundert Deutsche, saßen fest. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) sind von den deutschen Touristen bisher rund 98 Prozent zurückgekehrt oder auf dem Heimflug. Es gebe zwar noch eine Dunkelziffer, die sich vor allem auf eine Reihe von Individualtouristen bezieht. Es soll rund ein Dutzend sein, die noch in Bangkok festsitzen.
Thailand als Asiens Land des Lächelns mit friedlichen und sanften Menschen hat für Negativschlagzeilen gesorgt. Insofern rechnen verschiedene Tourismusanbieter wie Meiers’s Weltreisen oder TUI im kommenden Jahr mit Buchungsrückgängen. Doch werde sich das spätestens in der zweiten Jahreshälfte normalisiert haben.
Das klingt optimistisch und erinnert an Kinder, die im Dunkeln singen, um sich Mut zu machen. Die Chaos-Tage von Bangkok markieren nur einen Punkt im Asien-Tourismus. Die schweren Anschläge in der indischen Finanzmetropole Bombay in der vergangenen Woche, bei denen auch drei Deutsche getötet wurden, hallen nach. Die Krisen in China mit Anschlägen der Uiguren im Sommer oder auch die Unruhen in Burma sind längst nicht vergessen. TUI gibt sich optimistisch. Auf lange Sicht bleibe Asien ein Wachstumsmarkt.
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