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Luftangriffe
Kampfjets greifen Kurden auf türkischem Boden an

Türkei greift Kurden auf türkischem Boden an
Türkische Kampfjets haben PKK-Rebellen auf türkischem Boden angegriffen. Unser Archivbild zeigt ein Manöver im Juni 2015. FOTO: dpa, htf
Ankara. Türkische Kampfjets haben am Dienstag kurdische Rebellen im Südosten der Türkei angegriffen. Zuvor hätten die Rebellen das Feuer auf türkische Sicherheitskräfte eröffnet, hieß es. Ankara sieht die PKK - wie den IS - als Terrororganisation an.

Der Einsatz erfolgte nach Angaben Ankaras in der bergigen Region Sirnak nahe der Grenze zum Irak. "Zwei F-16-Jets haben um 15.10 Uhr Ortszeit (14.10 Uhr MESZ) Luftangriffe gegen die Terroristengruppe ausgeführt", teilten die türkischen Streitkräfte auf ihrer Internetseite mit Bezug auf die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mit.

Die Türkei geht bereits seit einigen Tagen mit Luftangriffen auf mutmaßliche Stellungen gegen die PKK im Norden Iraks vor. Diese brach wiederum ihrerseits die 2013 ausgerufene Waffenruhe.

Ankara sieht die PKK - wie den IS - als Terrororganisation an. Das gilt auch für die mit der PKK verbundenen kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), die in Syrien den IS bekämpfen und damit Verbündete der USA sind. Die türkische Führung befürchtet die Gründung eines Kurdenstaats, der die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei beflügeln könnte.

Grüne und Linke verurteilen Vorgehen Erdogans

Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP warf Erdogan vor, die chaotische Situation ausnutzen zu wollen, um seine Macht zu erhalten. Bei immer wahrscheinlich werdenden Neuwahlen spekuliere Erdogan auf einen Stimmenzuwachs für die islamisch-konservative AKP, die bei der Parlamentswahl am 7. Juni ihre absolute Mehrheit verloren hatte.

Grüne und Linke in Deutschland verurteilten das Vorgehen Erdogans scharf. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte dem Sender MDR Info, tatsächlich gehe es Ankara darum, die PKK zu kriminalisieren und die HDP zu marginalisieren. Erdogan wolle sein Land innenpolitisch ins Chaos stürzen und sich dann als Retter präsentieren.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) nannte Erdogans Vorgehen unverantwortlich und sprach von einem schweren Rückschlag für die demokratische Türkei.

USA: Offensive gegen PKK ist "Selbstverteidigung"

Die US-Regierung stuft die jüngsten türkischen Luftangriffe auf die kurdische PKK als einen eindeutigen Akt der Selbstverteidigung ein. Das sagten ranghohe Regierungsvertreter am Dienstag in Washington. Die in der Türkei verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK habe Anschläge auf türkische Polizisten verübt und sei der Aggressor.

"Wenn die PKK die Angriffe in der Türkei nicht gestartet hätte, würden sie (die Türken) die PKK auch nicht im Irak angreifen", hieß es. Washington hatte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, man betrachte die PKK als Terrororganisation.

(AFP)
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