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Nach rund 50 Tagen Haft
Türkei lässt französischen Journalisten frei

Türkei lässt französischen Journalisten frei
Kundgebung in Frankreich für den Journalisten Loup Bureau (Archiv). FOTO: afp
Ankara. In der Türkei ist ein Journalist aus Frankreich aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Er war wegen Terrorismusverdachts festgenommen worden. Frankreichs Regierung setzte sich daraufhin für ihn ein.

Ein Gericht in der Stadt Silopi habe die Freilassung von Loup Bureau bei der ersten Anhörung seines Falls am Freitag angeordnet, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Der französische Präsident Emmanuel Macron twitterte, er sei froh über Bureaus Freilassung.

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" hatte zuvor mitgeteilt, der 27-Jährige werde vermutlich am Samstag in Frankreich eintreffen. Der Direktor der Organisation, Christophe Deloire, lobte die Bemühungen Frankreichs, das mehrmals auf die Freilassung Bureaus gedrungen hatte.

Journalist stand unter Terrorismusverdacht

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte sich für eine Freilassung des Journalisten eingesetzt. Am Donnerstag führte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian Gespräche in Ankara und forderte ein zügiges Verfahren für Bureau, damit dieser schnell nach Frankreich zurückkehren könne.

Bureau war im Juli bei der Einreise aus dem Irak in die Türkei festgenommen worden. Bei ihm seien unter anderem Fotos gefunden worden, die ihn mit "Terroristen" der syrischen Kurdenmiliz YPG zeigten, hieß es damals. Er stand seitdem unter Terrorismusverdacht. Anfang August wurde der Journalist wegen der mutmaßlichen Mitgliedschaft in einer "bewaffneten Terrororganisation" in Untersuchungshaft genommen.

Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) gehören im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien zu den wichtigsten Partnern der USA und des Westens. Die YPG kontrolliert den größten Teil der Grenze von Syrien zur Türkei. Die YPG ist eng mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Die Türkei, aber auch die EU und die USA stufen die PKK als Terrororganisation ein.

Türkei verweigert Haftbesuch bei Yücel

Die Türkei steht wegen ihres Umgangs mit Journalisten international in der Kritik. Die Behörden haben seit Jahresbeginn mehrere ausländische Reporter inhaftiert. So sitzt seit Februar der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel in der Türkei in Haft.

Am Freitag wurde bekannt, dass die türkischen Behörden dem Auswärtigen Amt einen erneuten Besuch Yücels untersagt haben. Gründe seien nicht genannt worden, sagte Außenamtssprecher Martin Schäfer. "Wir verstehen nicht, warum es nicht möglich sein kann, dass unser Generalkonsul Herrn Yücel und die anderen deutschen Gefangenen in der Türkei regelmäßig besucht."

Yücel sitzt seit Februar in Haft. Der deutsch-türkische Journalist hatte sich damals freiwillig der Polizei in Istanbul gestellt. Ihm werden "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" vorgeworfen. Sein Fall sowie die Inhaftierung anderer deutscher Staatsbürger belasten das deutsch-türkische Verhältnis schwer.

(wer/ap/dpa/AFP)
 
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