| 13.53 Uhr

Nach Kritik an Einsatz gegen Kurden
Türkei nimmt zwölf regierungskritische Wissenschaftler fest

Fotos: Erdogan – vom Häftling zum Ministerpräsidenten
Fotos: Erdogan – vom Häftling zum Ministerpräsidenten FOTO: AP
Ankara. Weil sie die Militäreinsätze gegen Kurden öffentlich kritisiert haben, sind in der Türkei zwölf Wissenschaftler festgenommen worden.

Die Wissenschaftler gehören zu mehr als 1000 Akademikern aus der Türkei und dem Ausland, die eine entsprechende Erklärung unterzeichnet hatten, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag berichtete. Vorgeworfen wird ihnen, "terroristische Propaganda" für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK unterstützt zu haben.

Darüber hinaus hätten sie den Staat beleidigt, heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Zu den ausländischen Unterzeichnern zählt auch der renommierte Sprachwissenschaftler Noam Chomsky. In der Deklaration wird die Türkei aufgefordert, die "Massaker" zu stoppen. Zudem sollten die Friedensverhandlungen wieder aufgenommen werden.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Unterzeichner scharf kritisiert und die Justiz aufgerufen, gegen den "Verrat" vorzugehen. Die Deklaration sei parteiisch und gegen den Staat gerichtet. In ihr werde dieselbe Sprache wie die der "Terroristen" genutzt. Sie spreche sich auch nicht gegen die Gewalt der Rebellen aus.

Die nun verhafteten Wissenschaftler sind den Angaben zufolge als Dozenten an der Universität von Kocaeli im Nordwesten der Türkei tätig. Gegen neun weitere Wissenschaftler wird noch ermittelt, sie könnten ebenfalls festgenommen werden. Die Nachrichtenagentur Dogan hatte bereits am Donnerstag berichtet, die Duzce Universität im Nordwesten der Türkei habe einen Soziologie-Dozenten entlassen, weil er die Deklaration unterschrieben hatte. Die Festnahmen schüren Befürchtungen, unter Erdogan werde die Meinungsfreiheit eingeschränkt.

Im vorwiegend kurdischen Südosten des Landes, wo in Städten Ausgangssperren verhängt worden waren, geht das Militär gegen Rebellen vor. Diese hatten Barrikaden errichtet, Gräben ausgehoben und Sprengstofffallen errichtet, um die türkischen Sicherheitskräfte fernzuhalten. Bei den jüngsten Auseinandersetzungen starben mehr als 100 Zivilisten, vertrieben wurden Tausende, wie Menschenrechtsgruppen mitteilten.

Seit mehr als 30 Jahren kämpft die PKK, die von der Türkei und ihren westlichen Verbündeten als terroristische Organisation betrachtet wird, um Unabhängigkeit im Südosten der Türkei. Bei den Auseinandersetzungen starben Zehntausende Menschen.

(das/ap)
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