Strenges Rauchverbot am Bosporus: Türkei soll "Land der guten Luft" werden
zuletzt aktualisiert: 20.07.2009 - 17:06Ankara (RPO). Das Rauchen hat am Bosporus eine lange Tradition. In Gaststätten, Restaurants und selbstverständlich auch in den Wafferpfeifen-Bars störte bislang nur wenige. Rund 40 Prozent der Türken über 15 Jahren sind Raucher. Doch seit Sonntag ist die verqualmte Gastronomie Vergangenheit. Die Türkei soll das "Land der guten Luft" werden.
Seit der Nacht von Sonntag auf Montag gilt in der Türkei ein umfangreiches Rauchverbot. Die schon legendären verqualmten Kaffeehäuser sind damit ein Stück Vergangenheit. Um Mitternacht trat ein umfassendes Rauchverbot für Gaststätten, Restaurants und Wasserpfeifen-Bars in Kraft. Schon seit mehr als einem Jahr gilt in der Türkei das Rauchverbot in allgemeinen öffentlichen Räumen, der Gastronomie hatte die Regierung noch eine Gnadenfrist eingeräumt.
Gastwirte wollen "Zigaretten-Revolution" nicht hinnehmen
"Das rauchlose Leben hat begonnen", titelte am Sonntag die Zeitung "Milliyet". Von einer "Zigaretten-Revolution" sprach "Radikal". Die Gastwirte aber wollen das nicht hinnehmen. Sie kündigten rechtliche Schritte und Proteste an. Die Regierung setzte die Ausweitung des im Mai 2008 erlassenen Rauchverbots gegen den Widerstand der bereits von der Wirtschaftskrise geschüttelten Gastwirte um.
"Anti-Raucher-Sheriffs" überwachen Verbot
Rauchende Gäste müssen mit einer Geldstrafe von 69 Lira (32 Euro) rechnen. Wirten, die das Rauchverbot nicht durchsetzen, drohen Strafen von 560 bis 5.600 Lira (260 bis 2600 Euro). 4.500 "Anti-Raucher-Sheriffs" sollen mit Überraschungsbesuchen die Einhaltung des Verbots überwachen. Am Sonntag waren schon die ersten Vertreter der Gesundheitsbehörden zu sehen, die begleitet von der Polizei Bars und Restaurants im Istanbuler Stadtteil Bakirkoy kontrollierten.
Jährlich 100.000 Tote
Rund 40 Prozent der Türken über 15 Jahren sind nach Zahlen der Organisation Yesily Raucher. Nach Regierungsangaben sterben jährlich 100.000 Menschen in der Türkei an den Folgen des Rauchens. Mit dem Verbot in öffentlichen Räumen sei die Zahl der Raucher um sieben Prozent zurückgegangen, sagte Recep Akdag. Der türkische Gesundheitsminister hat selbst bereits seinen Vater, seinen Onkel und weitere Verwandte durch die Folgeschäden des Rauchens verloren.
Den Widerstand der Gastwirte wies Akdag als unbegründet zurück: "Es gibt keinen Grund zur Sorge", erklärte er. "Die Öffentlichkeit unterstützt eine rauchfreie Umgebung, und die einzigen, die einen Einbruch spüren werden, sind die Zigarettenproduzenten und -verkäufer." Das Ziel rechtfertigt nach seiner Ansicht aber das Verbot: "Wir setzen uns für den Schutz unserer Zukunft, der Rettung unserer Jugend ein", betonte Akdag. Zukünftig soll es nicht mehr "Rauchen wie ein Türke" heißen, sondern solle der Slogan "Die Türkei – das Land der guten Luft" das bisherige Image ersetzen.
"Die Hälfte der Bars muss dicht machen"
Die Wirte kündigten weitere Proteste an. "Wir sind gegen das Rauchverbot", kündeten Plakate in den Scheiben. "Ich denke, dass die Hälfte der Bars in der Sakarya-Straße dicht machen muss", sagte Barbesitzer Caglar Özcan. Eine Vereinigung der Kaffeehausbesitzer kündigte rechtliche Schritte gegen das Gesetz an. Ihren Angaben zufolge droht 70.000 Betrieben der Ruin. "95 Prozent der regelmäßigen Kaffeehausbesucher sind Raucher", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Huseyin Menekse. "Weil die Raucher nicht kommen, wird eines nach dem anderen dicht machen müssen."
Auf der Straße gibt es hingegen auch Zustimmung zu dem Verbot. Bisher habe er die Cafés wegen des Rauchs immer gemieden, erklärte ein 30-jähriger Geschäftsmann. Künftig werde er sich zum Backgammon-Spielen endlich in die Kneipen wagen können.
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