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Anteilnahme in der Türkei
"Im Herzen bei Euch"

Der Anschlagsort am Tag danach
Der Anschlagsort am Tag danach FOTO: dpa, tb pt
Istanbul. Die Bestürzung über den Terroranschlag in Istanbul ist in der Türkei groß. Zwei Zeitungen demonstrieren ihre Solidarität mit einer ungewöhnlichen Geste: Sie erscheinen mit deutscher Titelzeile. Von Ludwig Krause

Nach dem Terroranschlag von Istanbul mit mindestens acht getöteten Deutschen sind zwei türkische Zeitungen mit deutschen Schlagzeilen erschienen. Die Zeitung "Meydan" titelte in weißen Großbuchstaben auf schwarzem Grund: "Wir trauern".

"Im Herzen bei Euch" stand am Mittwoch auf der Titelseite der Zeitung "Habertürk". 

Auch führende Politiker haben Deutschland im Namen des türkischen Volkes ihr Beileid ausgesprochen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte Kanzlerin Merkel in einem Telefonat über die deutschen Opfer informiert und sein Beileid übermittelt. Er sicherte zu, alles für die Verletzten zu tun und die Tat aufzuklären. Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan bekundete sein Mitgefühl.

Unterdessen ist Innenminister Thomas de Maizière in die Türkei gereist, um den Tatort zu besuchen, und um seinen türkischen Kollegen Efkan Ala zu treffen. Zuletzt war das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei von Spannungen gezeichnet. Immer wieder hatte es heftige Kritik an der politischen Orientierung Erdogans gegeben. Unter anderem wird ihm die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit vorgeworfen.

Nicht zuletzt durch die Flüchtlingskrise bemüht sich Berlin allerdings zusehends um Pragmatismus. "Ich glaube, wir brauchen ein neues Verhältnis zur Türkei", sagte De Maizière im Oktober. Das Land sei ein Nato-Partner. "Und wenn wir etwas von der Türkei wollen, dann müssen wir auch auf die Türkei zugehen."

Ende November schloss die EU mit der Türkei dann einen Pakt, um den Zustrom syrischer Flüchtlinge nach Europa einzudämmen. Die EU zahlt drei Milliarden Euro für die gut zwei Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei, und die Gespräche zum visafreien Reisen und die Beitrittsverhandlungen werden beschleunigt. Die Türken sicherten hingegen zu, heimische Küsten besser zu schützen und effektiver gegen Schlepper vorzugehen.

(lukra/dpa/AFP/REU)
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