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Terror in Tunesien
Polizei nimmt neun Verdächtige nach Anschlag in Tunis fest

Viele Tote bei Angriff auf Bardo-Museum
Viele Tote bei Angriff auf Bardo-Museum FOTO: afp, FB/SH
Tunis. Die tunesische Polizei hat einen Tag nach dem tödlichen Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis neun Verdächtige festgenommen. Vier von ihnen seien mutmaßlich direkt an dem Anschlag beteiligt gewesen, teilte das Präsidialamt am Donnerstag mit.

Bei der Attacke waren am Mittwoch 21 Menschen getötet worden, darunter 18 ausländische Touristen und drei Tunesier, sagte der tunesische Gesundheitsminister Said Aidi. Zudem wurden zwei Attentäter getötet. Bislang bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Zuletzt war von 19 Opfern gesprochen worden, darunter 17 Touristen. Einige der Opfer hätten keine Ausweispapiere bei sich gehabt. Ein Krankenhaussprecher sagte, sieben der Opfer seien noch nicht identifiziert. Fast 50 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt. Die Opfer stammen aus Japan, Spanien, Kolumbien, Australien, Großbritannien, Belgien, Frankreich und Polen. Es handelte sich um die schlimmste Attacke auf Zivilisten in dem nordafrikanischen Land seit 13 Jahren.

Ministerpräsident Habib Essid sagte, einer der beiden von Sicherheitskräften erschossenen Terroristen sei dem tunesischen Geheimdienst bekanntgewesen. Man habe nicht gewusst, ob dieser Verbindungen zu einer Terrorgruppe gehabt habe. Sein Land arbeite mit anderen Ländern zusammen, um mehr über die Angreifer zu erfahren.

Das spanische Außenministerium teilte mit, zwei spanische Touristen seien am Morgen unversehrt in dem Museum entdeckt worden. Sie hätten sich nach dem Angriff versteckt und die Nacht in dem Museum verbracht.

Das Motiv der Täter blieb zunächst unklar, doch Tunesien kämpft seit Jahren mit islamistischem Terror - wenn auch nicht in dem Ausmaß anderer Länder. Eine große Zahl Tunesier ging nach Syrien und in den Irak, um an der Seite der Terrormiliz Islamischer Staat zu kämpfen. Es wird geschätzt, dass bis zu 2000 Terroristen in Tunesien sind, viele von ihnen seien aus dem Irak und Syrien zurückgekehrt.

Die Anschläge bedeuten für die Tourismusindustrie des Landes einen herben Schlag. Alljährlich kommen Tausende Ausländer an die Mittelmeerstrände und besichtigen antike römische Ruinen. Die Kreuzfahrtlinie Costa Crociere kündigte an, alle demnächst geplanten Stopps in Tunesien abzusagen. Es würden alternative Häfen festgelegt. Priorität habe die Sicherheit der Gäste und der Mannschaften.

Zwei Kreuzfahrtschiffe, deren Passagiere Opfer des Anschlags wurden, legten vom Hafen von Tunis ab. Die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises teilte mit, neun Passagiere der "Splendida" seien getötet und zwölf verletzt worden. Sechs würden vermisst. Die Betreiber des Schiffs "Costa Fascinosa" teilten mit, 13 Passagiere seien nicht zurückgekehrt.

Der Tatort, das Bardo-Museum, beherbergt die größte archäologische Ausstellung Tunesiens und besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen römischer Mosaike weltweit. Es liegt nahe dem tunesischen Parlament, rund vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

(ap)
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