Massive Zusammenstöße: Über 100 Festnahmen bei G8-Gipfel
zuletzt aktualisiert: 06.07.2005 - 21:12Edinburgh (rpo). Bei Protesten gegen den G-8-Gipfel im schottischen Gleneagles hat die Polizei nach jüngsten Angaben am Mittwoch mehr als hundert Menschen festgenommen. 29 Polizisten seien im Einsatz leicht verletzt worden, verlautete aus Polizeikreisen. Ingesamt hätten bis zu 6000 G-8-Gegner in Gleneagles protestiert.
Zu den gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei kam es den Angaben zufolge, als mehrere hundert Demonstranten von der vorgesehen Demonstrationsroute abwichen und sich dem Sicherheitszaun um das Gipfel-Hotel näherten. Rund 30 Protestierer hätten versucht, in den Sicherheitsbereich einzudringen, und dabei eine Absperrung demoliert.
Angeführt von einem schottischen Dudelsackbläser marschierten sie durch die engen Straßen des 4.000-Seelen-Dorfes Auchterarder in Richtung des vier Kilometer entfernten Tagungshotels Gleneagles. Dort versammelten sich zur gleichen Zeit die Teilnehmer des Gipfels, unter ihnen US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Der Marsch war von der Polizei zunächst verboten worden, nachdem am Morgen bei Ausschreitungen in der Nähe von Stirling mindestens neun Polizisten verletzt worden waren. Nach Gesprächen mit Vertretern des Bündnisses der Gipfelgegner (G-8 Alternatives) wurde die Demonstration dann doch noch zugelassen. Der linksgerichtete Unterhausabgeordnete George Galloway kritisierte das Verhalten der Behörden und sprach von Anzeichen eines Polizeistaates.
In der Nähe von Stirling, 22 Kilometer südwestlich von Gleneagles, warfen mehr als 100 linksradikale und anarchistische Demonstranten die Scheiben von parkenden Autos ein und griffen Polizisten mit Steinen an. Die zumeist schwarz gekleideten und teilweise vermummten Demonstranten kamen von einem Zeltlager bei Stirling, auf dem sich rund 5.000 Menschen eingefunden haben. Die Polizei nahm 60 Personen fest.
Zur Sicherung des Tagungsortes sperrte die Polizei die Autobahn M9, die an Gleneagles vorbei nach Edinburgh führt. Es kam zu Zusammenstößen auf der Autobahn, als Demonstranten versuchten, die Polizeisperren zu durchbrechen. In der Ortschaft Bannockburn wurden Polizeiwagen mit Eisenstangen angegriffen. Auch die Scheiben einer Burger-King-Filiale wurden eingeworfen. In einem auf eine Wand gesprühten Slogan hieß es in Anspielung an die ungleiche Verteilung des Reichtums auf der Erde: "10.000 Pharaonen - Sechs Milliarden Sklaven".
In der Ortschaft Crieff blockierten etwa 50 "Öko-Krieger" mit Baumstämmen und Ästen eine Brücke. Sie reagierten damit auf Informationen, dass sich in dem Ort Delegierte des G-8-Treffens aufhalten sollten. Der britische Premierminister Tony Blairs traf mit dem Hubschrauber in Gleneagles ein. Er hatte zuvor in Singapur für die Olympiabewerbung Londons geworben.
In Edinburgh zogen Gruppen von schwarz gekleideten Demonstranten durch die Straßen. Polizisten schirmten das Sheraton-Hotel ab.
Die schottische Polizei hat ein entschlossenes Vorgehen gegen gewalttätige Demonstranten während des G-8-Gipfels am Mittwoch und Donnerstag angekündigt. In Schottland sind 10.000 Polizisten aus ganz Großbritannien im Einsatz, etwa 3.000 von ihnen direkt in Gleneagles. Das Golfhotel, in dem der Gipfel stattfindet, wurde mit Stacheldraht abgeriegelt. Schon am Montag war es zu ersten Auseinandersetzungen gekommen. Danach erhielten bis zu 100 Gegner des Gipfeltreffens eine gerichtliche Vorladung.
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