Sri Lanka: Über 2000 Zivilisten laut Rebellen getötet
zuletzt aktualisiert: 10.05.2009 - 14:08Colombo (RPO). In Sri Lanka hat die Armee nach Angaben der Tamilenrebellen bei einem Angriff auf das Rückzugsgebiet der Aufständischen innerhalb von 24 Stunden mehr als 2000 Zivilisten getötet. Ein Armeesprecher wies die Anschuldigungen am Sonntag zurück und gab an, das Militär habe das von den Rebellen erwähnte Gebiet nicht mit schweren Waffen angegriffen.
Bei dem Artillerieangriff im Nordosten des Inselstaats seien innerhalb von 24 Stunden am Samstag und Sonntag über 2000 Zivilisten um Leben gekommen, teilten die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) am Sonntag in einer Erklärung auf der ihnen nahe stehenden Internetseite Tamilnet.com mit. Die Website hatte zuvor berichtet, bei der am Samstagabend gestarteten Armeeoffensive seien 257 Zivilisten getötet und weitere 814 verletzt worden. Die meisten Opfer seien in Bunkern und in Zelten entdeckt worden. Die Toten und Verletzten wurden demnach in ein behelfsmäßiges Krankenhaus gebracht.
Die Armee teilte außerdem mit, sie habe eine Konstruktion entdeckt, die möglicherweise dem LTTE-Führer Velupillai Prabhakaran als vorübergehender Unterwasserunterschlupf dienen sollte. Prabhakaran ist seit mehr als 18 Monaten nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetaucht, was Anlass zu Spekulationen gab, er könne tot sein oder Sri Lanka verlassen haben. Am Dienstag hatte der srilankische Regierungschef Ratnasiri Wickremanayake versichert, der Rebellenführer halte sich nach wie vor in dem von der Armee umzingelten vier Quadratkilometer großen Küstengebiet im Distrikt Mullaittivu auf.
Eine unabhängige Bestätigung für die Berichte von LTTE und Armee ist nicht möglich, da die Regierung in Colombo Journalisten und internationalen Beobachtern den Zugang in den von den Rebellen gehaltenen schmalen Küstenstreifen verweigert. Der UNO zufolge sind dort rund 50.000 Zivilisten eingeschlossen. Die srilankischen Behörden sprechen von bis zu 20.000 Zivilisten und werfen den Rebellen vor, diese als "menschliche Schutzschilde" zu missbrauchen.
Nach bisherigen Angaben der UNO wurden im Zuge der im Januar gestarteten "Endoffensive" der Armee gegen die Rebellen wahrscheinlich 6500 Zivilisten getötet und 14.000 verletzt. Vermittlungsversuche für eine Waffenruhe scheiterten am Widerstand der srilankischen Regierung. Die Befreiungstiger kämpfen seit Anfang der 70er Jahre für einen unabhängigen Tamilenstaat.
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