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Unruhen in Usbekistan: Über 3.000 Menschen auf der Flucht

zuletzt aktualisiert: 14.05.2005 - 20:22

Kara-Suu (rpo). Nach den schweren Unruhen in der usbekischen Stadt Andischan sind mehr als 3.000 Menschen auf der Flucht. Ziel ist die geschlossene Grenze zum Nachbarland Kirgisien. Entlang der Grenze kam es zu zahlreichen Ausschreitungen. Bei Unruhen in der usbekischen Stadt waren zuvor 200 Menschen ums Leben gekommen. Außenminister Fischer hat seine tiefe Besorgnis über die Vorgänge ausgedrückt.

Rund 6.000 Usbeken versammelten sich am Samstag an der Grenze zu Kirgisien und baten um Asyl. Nur 528 von ihnen gelang jedoch die Einreise ins Nachbarland, wie eine Sprecherin der kirgisischen Grenztruppen mitteilte. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz begann, ein Flüchtlingslager zu errichten. In Korasuw, wo es zu den jüngsten Ausschreitungen kam, hatten sich zuvor rund 4.000 Demonstranten eingefunden. Einige versuchten, eine Brücke nach Kirgisien wieder aufzubauen, die zuvor von den usbekischen Behörden zerstört worden war. Auch im Grenzort Barasch versammelten sich rund 2.000 Menschen.

Die rund 1.000 Demonstranten in Andidschan trugen sechs Leichen durch die Stadt, um auf das Blutbad vom Freitagabend hinzuweisen. Regierungstruppen hatten nach Augenzeugenberichten wahllos in die Menge geschossen und dabei auch Frauen und Kinder getroffen. Die genaue Zahl der Toten blieb zunächst unklar. Der usbekische Präsident Islam Karimow sprach von zehn Todesopfern unter den Soldaten und "vielen mehr" unter den Demonstranten, Augenzeugen vermuteten 200 bis 300 Tote.

Karimow machte für das Blutbad die Demonstranten verantwortlich, die er als islamistische Extremisten brandmarkte. Die Behörden hätten zunächst versucht, in Verhandlungen eine friedliche Lösung zu erreichen. Stattdessen seien jedoch Soldaten und Polizisten angegriffen worden, und der Aufstand habe mit Gewalt niedergeschlagen werden müssen. Der Anführer der Demonstranten, Kabuldschon Parpijew, erklärte dagegen, die Regierung sei nicht verhandlungsbereit gewesen. Kirgisien wies derweil Vorwürfe Karimows zurück, es habe die Unruhen geschürt.

Putin und Fischer äußern sich besorgt

Auslöser der Revolte war der Beginn eines Terrorprozesses. Eine Menge stürmte am Freitag das Gefängnis von Andidschan und befreite rund 2.000 Häftlinge, darunter 23 wegen verfassungsfeindlicher Aktivitäten angeklagte Geschäftsleute. Diesen werden Kontakte zur verbotenen Islamistenpartei Hisb-ut-Tahrir nachgesagt.

Der russische Präsident Wladimir Putin äußerte sich besorgt über eine Bedrohung der Stabilität in Zentralasien. Er habe deswegen mit Karimow telefoniert, verlautete aus dem Kreml. Die Massenproteste in Andidschan seien vermutlich von radikalen Islamisten organisiert worden, erklärte der stellvertretende russische Außenminister Waleri Loschtschinin.

Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer zeigte sich beunruhigt. Es komme nun darauf an, "alles zu vermeiden, was zu einer weiteren Verschärfung der Situation führt", hieß es in einer am Samstag in Berlin veröffentlichten Erklärung Fischers. Bundesverteidigungsminister Peter Struck sagte der "Bild am Sonntag", für die in der Republik stationierten deutschen Soldaten bestehe keine Gefahr.

Quelle: afp

 
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