Verlierer der Revolution wird Regierungschef: Ukraine: Das Comeback des Viktor Janukowitsch
zuletzt aktualisiert: 03.08.2006 - 08:11Kiew (rpo). Revolution rückwärts: Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko muss seinen moskautreuen Erzrivalen Viktor Janukowitsch zum neuen Regierungschef des Landes ernennen. Der große Verlierer der Orangenen Revulotion kehrt damit vier Jahre nach seinem Sturz zurück an die Macht.
Ins Amt des Ministerpräsidenten verhilft dem pro-russischen Politiker ausgerechnet sein größter Rivale aus Revolutionstagen. Denn Staatspräsident Viktor Juschtschenko war es, der Janukowitsch dereinst mit der Unterstützung hunderttausender Ukrainer aus dem Amt jagte. Zu verdanken hat der 56-Jährige das Comeback auf die politische Bühne sicher auch seiner Hartnäckigkeit, mit der er den diesjährigen Wahlkampf führte.
Ein "hungriger Politiker" sei hier am Werk, sagte ein westlicher Beobachter damals über die Kampagne des Chefs der Partei der Regionen.
Bei den Wahlen im Jahr 2004 hatte der autoritäre Präsident Leonid Kutschma Janukowitsch zu seinem Wunschkandidaten gekürt. Doch er wurde von der Orangenen Revolution überrollt: Nachdem die staatliche Wahlkommission seinen Sieg bereits verkündet hatte, gingen hunderttausende Regierungsgegner mit Kleidung und Fahnen in der Farbe der Opposition friedlich auf die Straße und zwangen den Machtapparat zum Einlenken.
Niemand glaubte an Janukowitschs Rückkehr
Nachdem Janukowitsch aus dem Amt gedrängt war, glaubte niemand mehr an seine Rückkehr. Doch der Politiker zeigte sich wandlungsfähig und kämpfte im Wahlkampf 2006 mit den Waffen seiner orangenen Gegner: Er engagierte US-Kampagnenexperten und zog begleitet von Rockbands durch seine Hochburgen im Südosten des Landes.
Seine Basis hatte Janukowitsch, dessen NATO-feindliche Äußerungen im Westen immer mit Skepsis gesehen wurden, im russisch geprägten Osten der Ukraine. In dieser industrialisierten Region wuchs er in armen Verhältnissen auf. Seine Mutter starb, als er zwei Jahre alt war. Die Karriereaussichten des jungen Janukowitsch waren zunächst wenig rosig.
Raubüberfälle und Haftstrafen
"Ich kam aus einer sehr armen Familie, und mein Lebenstraum war, aus der Armut auszubrechen", verriet er einmal Journalisten. Dabei setzte er in jungen Jahren zunächst auf fragwürdige Methoden: 1968 verbüßte er eine Haftstrafe in einer Jugendvollzugsanstalt, und zwei Jahre später kam er abermals wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis. Die Strafen ließ er später aus dem Register tilgen.
Später ließ sich der fast zwei Meter große Hüne zum Elektriker ausbilden und stieg allmählich auf. Im Industriegebiet Donezk wurde er Fabrikdirektor und später Gouverneur. In dieser Zeit wurde er Mitglied einer einflussreichen Gruppe, die ukrainische Experten als "Donezk-Clan" bezeichnen: eine alte Seilschaft aus dem militärisch-industriellen Bereich, die eine der Machtbasen des scheidenden Präsidenten Kutschma bildete.
Janukowitschs Ruf, gelegentlich auch mit heftigen Flüchen und sogar den Fäusten für seine Argumente einzustehen, haben seiner Beliebtheit in seiner Heimatregion keinen Abbruch getan, glaubt der Politikexperte Wolodimir Fesenko. "Das passt einfach zum Mythos eines willenstarken, strengen Staatschefs."
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