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Krise
Ukraine: Russische Panzer überqueren Grenze

Krise: Ukraine: Russische Panzer überqueren Grenze
Diese Meldung sorgt bei der Beziehung dieser beiden Staatsoberhäupter für keine Entspannung: Der ukrainische Präsident Poroschenko und der russische Präsident Wladimir Putin. FOTO: dpa, ck pt fpt
Kiew. Russland hat ukrainischen Angaben zufolge Waffen, Truppen und Munition in die Rebellengebiete im Osten des Landes entsandt. Präsident Poroschenko sagte in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Merkel, dass die Waffenstillstandsvereinbarung zunehmend gebrochen werde.

Mindestens 32 Panzer, 16 Geschützsysteme, drei mobile Radargeräte und 30 Lastwagen mit Soldaten und Munition hätten die Grenze zwischen Russland und der Ukraine überquert, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Andrej Lyssenko, am Freitag. Konkrete Beweise dafür legte er nicht vor und sagte auch nicht, woher die Informationen stammten.

Die Ukraine hatte bereits in den vergangenen Tagen ähnliche Vorwürfe erhoben. Die US-Regierung äußerte sich besorgt. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko schickte zusätzliche Soldaten in den Osten des Landes, die nach seinen Worten mögliche Angriffe zurückschlagen sollen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau äußerte sich zunächst nicht zu den neuen Anschuldigungen, hatte aber bereits am Freitagvormittag abermals Vorwürfe von Truppenbewegungen nahe der Grenze zurückgewiesen.

Kiew und der Westen haben Russland immer wieder beschuldigt, die prorussischen Rebellen in der Ostukraine mit Waffen und Soldaten zu unterstützen. Moskau weist das zurück.

In dem Konflikt sind seit April mehr als 4000 Menschen getötet worden. Seit Mitte September gilt ein Waffenstillstand, der aber nahezu täglich gebrochen wird.

Lyssenko erklärte am Freitag, dass mehrere Dörfer in der Region Lugansk in den vergangenen Tagen von den Rebellen mit Artillerie beschossen worden seien. Dabei seien am Donnerstag fünf ukrainische Soldaten getötet und 16 verletzt worden.

Poroschenko sagte in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die Waffenstillstandsvereinbarung zunehmend gebrochen werde, wie sein Büro mitteilte. Das könnte nach den Worten Poroschenkos zu einer neuen Eskalation führen. Zudem beklagte er, dass ein weiterer russischer Hilfskonvoi ohne unabhängige Kontrolle oder Inspektion in die Rebellengebiete in der Ostukraine gefahren sei.

Die Spannungen um die Region hatten sich weiter verstärkt, nachdem die Rebellen am Wochenende in den von ihnen kontrollierten Gebieten Wahlen abhielten. Die Ukraine und der Westen sehen darin einen Verstoß gegen die Waffenstillstandsvereinbarungen und erkennen sie nicht an.

Der Außenpolitische Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Juri Uschakow, sagte dagegen am Freitag. Russland "respektiere" das Abstimmungsergebnis. Russland wolle, dass die Friedensgespräche fortgesetzt werden.

Kolonne von 32 Panzern ist nach Angaben aus Kiew am Freitag von Russland aus in die Ukraine eingedrungen. Moskau demntiert jedoch.

Eine Panzerkolonne dringt von Russland in die Ukraine ein. Das erklärte der ukrainische Militärsprecher Andrej Lyssenko. Auch 30 Lastwagen mit Kämpfern, 16 Haubitzen sowie weiteres militärisches Material überquerten demnach die Grenze zu der von prorussischen Separatisten kontrollierten Region Lugansk. Die Kolonne bewege sich auf die Stadt Krasny Lutsch zu. An dem von den Rebellen kontrollierten Grenzübergang Iswarine in derselben Region sei zudem eine weitere Kolonne mit Lastwagen und drei mobilen Radarstationen eingedrungen.

Russland hat im Ukraine-Konflikt neue Vorwürfe zu Truppenbewegungen als "Provokation" zurückgewiesen. Solche Behauptungen würden in Kiew auf Grundlage irgendwelcher Gerüchte im Internet ohne jeden Beweis aufgestellt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau der Agentur Interfax am Freitag.

Er warnte davor, den ohnehin aufgeheizten Konflikt im "Südosten" der Ukraine weiter durch "provozierende Mitteilungen" zu befeuern.

Militärbeobachter in Kiew hatten von 25 000 Söldnern und russischen Soldaten gesprochen, die entweder schon auf ukrainischem Gebiet seien oder sich auf die Grenze zubewegten. Russland wirft auch der Nato vor, die Lage durch unbewiesene Behauptungen zu verschärfen.

Kremlchef Wladimir Putin hatte sich zuletzt besorgt gezeigt über den "Bürgerkrieg" in der Ostukraine. Die Situation sei am Donnerstag auch Thema bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates gewesen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Ungeachtet einer vereinbarten Waffenruhe werde von ukrainischer Seite weiter geschossen.

Das ukrainische Militär hält sich nach eigenen Angaben an die Feuerpause und schießt nur bei Angriffen zurück.
Sicherheitsratssprecher Andrej Lyssenko teilte in Kiew mit, es seien in der Ostukraine erneut fünf Soldaten getötet worden.

In den umkämpften Regionen hatten die Separatisten am Sonntag Wahlen abgehalten, die die Lage weiter anheizten. Die Abstimmungen wurden außer von Russland international nicht anerkannt.

(AFP)
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