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UN-Flüchtlingshilfswerk
Welt steht vor einem neuen Flüchtlingsrekord

Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt
Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt FOTO: afp, MM
Genf. In diesem Jahr sind wohl zum ersten Mal mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht – ein neuer Rekord. Damit rechnet das UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in seinem Halbjahresbericht.

Einer von 122 Menschen weltweit wäre damit Flüchtling, Asylsuchender oder innerhalb seines Heimatlandes auf der Flucht. Hauptursache sei der Syrien-Krieg. Doch selbst ohne Berücksichtigung des Konflikts nähmen Flucht und Vertreibung zu. 2015 könnte somit ein absoluter Höchststand erreicht werden. "Es war nie wichtiger, Toleranz, Mitgefühl und Solidarität gegenüber den Menschen zu zeigen, die alles verloren haben", erklärte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.

Die Schätzung basiert auf dem UNHCR-Halbjahresbericht, der die ersten sechs Monate dieses Jahres abbildet. Demnach überstieg die Zahl der Flüchtlinge Mitte 2015 mit 20,2 Millionen Menschen weltweit zum ersten Mal seit 1992 die 20-Millionen-Marke. Geschätzte 34 Millionen Menschen seien Binnenvertriebene gewesen. 2014 waren laut UNHCR rund 19,5 Millionen auf der Flucht.

Die Zahl der Asylanträge sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 78 Prozent auf 993.600 geklettert. Die meisten seien in Deutschland gestellt worden. Mit 159.000 seien es in der ersten Jahreshälfte bereits fast genauso viele wie ganz 2014 gewesen. Die zweithöchste Zahl wurde laut UNHCR in Russland verzeichnet. Die meisten der knapp 100.000 Antragsteller seien vor dem Konflikt in der Ukraine geflohen.

Dabei spiegele der Bericht die aktuellen Fluchtbewegungen über das Mittelmeer nach Europa nur teilweise wider, da die Ankünfte erst in der zweiten Jahreshälfte stark angestiegen seien. Allein rund eine Million Flüchtlinge und Migranten hätten in diesem Jahr auf der Suche nach einer sicheren Zukunft das Mittelmeer überquert.

Neben den steigenden Zahlen zeigt der UNHCR-Bericht weitere negative Trends. Die Anzahl freiwilliger Rückkehrer sei mit etwa 84.000 Menschen auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten. Wer heutzutage Flüchtling werde, habe schlechte Chancen in seine Heimat zurückzukehren, heißt es. Rund 839.000 Menschen hätten im ersten Halbjahr 2015 ihr Heimatland verlassen, das entspreche etwa 4.600 Menschen jeden Tag. Dabei sei der Krieg in Syrien weiterhin die Hauptursache für Fluchtbewegungen in der Region.

In Folge der ansteigenden Flüchtlingszahlen wird laut UNHCR auch der Druck auf die Aufnahmeländer größer. Es müssten dringend Vorkehrungen getroffen werden, um zu verhindern, dass Flüchtlinge auf Ablehnung stießen, fordert das UN-Hilfswerk. Zu den Ländern, die im ersten Halbjahr 2015 die meisten Flüchtlinge aufgenommen hätten, gehöre mit 1,84 Millionen Menschen die Türkei. Im Verhältnis der Flüchtlingszahl zur einheimischen Bevölkerung habe der Libanon mit 209 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern die meisten Menschen aufgenommen.

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