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Bombenangriffe auf Aleppo
UN-Kommissar spricht von Kriegsverbrechen

Bombenangriffe auf Aleppo: UN-Kommissar spricht von Kriegsverbrechen
Trotz Waffenpause steigt in Aleppo Rauch empor FOTO: afp
Genf. Das internationale Entsetzen über das russisch-syrische Vorgehen in Aleppo wird immer größer. Ein hoher UN-Vertreter spricht nun von Kriegsverbrechen. Die Rettung von Verletzten wird wegen Sicherheitsproblemen verschoben.

Die Bombenangriffe der syrischen und russischen Luftwaffe gegen den Ostteil Aleppos sind nach Einschätzung des UN-Hochkommissars für Menschenrechte eindeutig Kriegsverbrechen. Gezielte Angriffe gegen Zivilisten würden zudem den Tatbestand von Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfüllen, sagte Said Raad al-Hussein in Genf bei einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrates zur Lage in Aleppo.

Auch die Aufständischen würden das humanitäre Völkerrecht verletzen, indem sie Wohngebiete im Westens Aleppos mit Granaten beschießen würden, erklärte Al-Hussein. Jedoch seien massive Bombardierungen durch die Regierungstruppen und deren Verbündete für die weitaus meisten Toten unter der Zivilbevölkerung verantwortlich.

Said Raad al-Hussein kritisiert das Vorgehen beider Konfliktseiten FOTO: dpa, mt sbi pt

Al-Hussein forderte die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates - unter ihnen Russland und die USA - auf, eine politische Lösung für Syrien durchzusetzen. Der UN-Menschenrechtsrat dokumentiere weiter Kriegsverbrechen in Syrien. "Alle beteiligten Seiten sollten wissen, dass sie zur Verantwortung gezogen werden", sagte er. Mehr als 30 Mitgliedsländer des Rates - darunter Deutschland - unterstützen eine Resolution, mit der die Einschaltung des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag erreicht werden soll.

UNO kann Evakuierungen nicht starten

Derweil ist die für Freitag geplante Rettung von Verletzten und Kranken aus der umkämpften syrischen Großstadt verschoben worden. "Die Evakuierung von Kranken und Verletzten konnte heute Morgen leider nicht wie vorgesehen beginnen, weil die notwendigen Sicherheitsbedingungen nicht erfüllt waren", sagte der Sprecher des UN-Büros für humanitäre Hilfe (Ocha), Jens Laerke.

In Aleppo gilt seit Donnerstagmorgen eine Feuerpause, die die UNO zur Evakuierung von hilfsbedürftigen Zivilisten aus den Rebellenvierteln im Osten Aleppos nutzen wollte. Die syrische Armee und Russland hatten zuvor ihre Luftangriffe eingestellt. Russland warf den Rebellen aber vor, gegen die Feuerpause verstoßen zu haben.

Russland verpflichtete sich laut UN-Angaben, die Feuerpause bis Samstag einzuhalten. Zuvor hatte bereits die syrische Armee angekündigt, die Waffenruhe von jeweils elf Stunden pro Tag bis dahin zu verlängern. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte am Donnerstag hingegen, Moskau habe beschlossen, die Feuerpause lediglich um 24 Stunden auszuweiten.

(crwo/dpa)
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