| 18.36 Uhr

Erschreckende Unicef-Zahlen
Helft endlich den Kindern!

Syrische Kinder auf der Flucht
Syrische Kinder auf der Flucht FOTO: dpa, Maysun
Meinung | Berlin. Die Zahlen sind erschütternd wie selten. Jedes neunte Kind auf der Erde wächst laut Unicef-Report 2016 in einer Kriegsregion auf. 250 Millionen Kinder weltweit erleben täglich Krieg. Die reichen Länder des Westens tun viel zu wenig, um diesen Kindern zu helfen. Von Jan Drebes

Dass Unicef nur selten gute Nachrichten zur Situation der Kinder in der Welt vermeldet, ist fast schon zur traurigen Gewohnheit geworden. Doch die neuesten Schreckensmeldungen müssen die internationale Staatengemeinschaft und ihre Bürger endlich wachrütteln. 250 Millionen Kinder wachsen in Kriegsregionen auf, erleben täglich Angst, werden Opfer von Terror und Gewalt. Die Hilfsorganistion Unicef kommt in ihrem neuesten Jahresbericht zu der erschütternden Erkenntnis, dass einstige "Regeln" des Krieges immer seltener gelten. Kinder werden gezielt entführt, vergewaltigt, gefoltert oder ermordet, um Erwachsene zu zermürben. Jedes neunte Kind auf der Welt wird seiner Kindheit beraubt, die Menschenrechte dieser Mädchen und Jungen werden mit Füßen getreten. Und warum?

Weil es die Staatengemeinschaft inklusive der deutschen Bundesregierung nicht vermag, die seit Jahren andauernden Kriege in Syrien, Afghanistan, Irak und Ukraine sowie das Morden zahlreicher Terrormilizen auf fast jedem Kontinent zu beenden. Im Gegenteil: Mit immer mehr Waffenlieferungen werden die blutigen Konflikte zusätzlich angeheizt und in die Länge gezogen. Davon kann sich auch die Bundesregierung nicht freimachen, auch wenn sie stets beteuert, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern. Aber die deutschen Waffenexporte sind im vergangenen Jahr auf ein Jahrhunderthoch angestiegen, der Rüstungsetat wird aufgestockt. Zu Recht wird der Bundesregierung also Doppelzüngigkeit vorgeworfen. Es passt nicht zusammen, Waffen zu liefern und gleichzeitig die Fluchtursachen mit Geld- und Sachleistungen in den Krisenregionen bekämpfen zu wollen.

Dabei ist letzteres wichtig aber noch viel zu wenig geschehen. Das UN-Hilfswerk sieht es als erwiesen an, dass psychosoziale Angebote und Notschulen wichtige Mittel seien, um Kinder in Krisenregionen zu unterstützen und zu stabilisieren. Der Besuch einer Schule vermittele Kindern ein Gefühl von Alltag und Normalität, schreibt Unicef im Bericht. Aber im Jahr 2013 seien lediglich zwei Prozent der weltweiten Nothilfegelder in solche Projekte geflossen. Das ist viel zu wenig, da müssen Deutschland und andere reiche Staaten deutlich mehr leisten. Schließlich gibt es schon erfolgreiche Projekte, die aufgestockt werden könnten. Unicef bewertet etwa das von der Bundesregierung unterstützte Programm "No Lost Generation" positiv, bei dem Kindern in Syrien und benachbarten Ländern Lernmaterial und damit Zugang zur Bildung bekämen. Warum nicht noch deutlich mehr Mittel in solch wirksame Maßnahmen geben? Und gleichzeitig darf es nie wieder passieren, dass die internationalen Hilfsgelder für gigantische Flüchtlingslager in Jordanien einfach nicht verlängert werden, und Menschen abermals gezwungen werden, sich auf eine lebensgefährliche Flucht in vermeintliche Sicherheit zu begeben.

Außerdem: Bei allen berechtigten Sorgen um die Integrationsleistungen Deutschlands muss klar sein, dass wir die Pflicht haben, Kindern in Not zu helfen. Und dabei ist es egal, von wo sie kommen.

(jd)
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