Gewalt in Syrien: Unicef meldet 384 tote Kinder
zuletzt aktualisiert: 27.01.2012 - 20:34Kairo/Beirut (RPO). Mindestens 384 Kinder sind nach Informationen von Nothelfern seit Beginn des Aufstands in Syrien vor zehn Monaten getötet worden. Die Zahl ist möglicherweise noch höher. Etwa 380 weitere Kinder seien diesen Angaben zufolge eingesperrt worden, sagte eine Sprecherin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef)
Die Zahlen stammten zwar nicht aus eigenen Erhebungen, gingen aber aus Berichten von Organisationen hervor, denen man vertraue, sagte Unicef-Sprecherin Marixie Mercado auf Anfrage. Die Unicef vorliegenden Angaben beziehen sich auf den Zeitraum seit Beginn des Aufstandes in Syrien vor rund zehn Monaten bis zum 7. Januar.
Mehrere der Kinder, die in Syrien inhaftiert wurden, sollen unter 14 Jahren alt sein. Die meisten der Getöteten seien Jungen gewesen. Vor diesen neuesten Angaben zu Opfern des Konflikts im Kindesalter hatten die UN Anfang Dezember 2011 berichtet, dass bis dahin 307 Kinder getötet worden seien.
Diese Angaben der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, beruhten ebenfalls auf Berichten nicht näher bezeichneter humanitärer Organisationen. Konkrete Angaben zu den Quellen solcher Informationen in Konfliktgebieten werden von den UN meist nicht gemacht, um sie nicht zusätzlich zu gefährden.
Tote in Hama
In Syrien haben Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad nach Oppositionsangaben die Unruheprovinz Hama attackiert und mindestens 44 Menschen getötet. Unter ihnen seien auch Frauen und Kinder, teilte Aktivisten mit.
Soldaten des Regimes haben die Protesthochburg den Angaben nach bereits am Morgen unter Beschuss genommen. Seit Beginn der Massenproteste gegen Assad im März sind in Syrien nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 5400 Menschen ums Leben gekommen.
Im Laufe des Tages wollte sich der UN-Sicherheitsrat in New York in einer Sondersitzung mit dem Konflikt in Syrien befassen. Mit einer Abstimmung wird aber nicht gerechnet. Vor allem Russland und China blockieren bislang eine Resolution gegen das Assad-Regime.
Westerwelle will Resolution
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) dringt auf eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, mit der die Gewalt in Syrien verurteilt wird. "Es besteht jetzt die Chance, dass sich der Sicherheitsrat zu Syrien endlich klar positioniert. Das ist überfällig", sagte Westerwelle am Rande eines Treffens von EU-Außen- und Europaministern am Freitag in Brüssel. "Wir wollen eine Resolution, die die Gewalt des Assad-Regimes klar und deutlich brandmarkt."
Der UN-Sicherheitsrat wollte sich noch am Freitag in einer Sondersitzung mit der Situation in Syrien befassen. Diplomaten zufolge liegt der Entwurf für eine Resolution vor, der von Marokko in den Rat der 15 Staaten eingebracht werden soll. Eine rasche Abstimmung gilt aber als höchst unwahrscheinlich.
Der Resolutionsentwurf folgt weitgehend dem Aktionsplan, den die Arabische Liga am Wochenende einmütig verabschiedet hatte. Darin wird das Regime zum sofortigen Ende der Gewalt und zu demokratischen Reformen mit freien Wahlen aufgefordert. Der Plan geht sogar so weit, dass Syriens Präsident Baschar al-Assad einen Teil seiner Macht an einen Stellvertreter abgeben soll.
Bisherige Versuche, Syrien auch nur formell zu verurteilen, waren am Widerstand Russlands und Chinas gescheitert, die jede Kritik an ihrem Verbündeten und Waffenkunden blockiert hatten. Laut UN sind in den vergangenen zehn Monaten mehr als 5600 Menschen ums Leben gekommen. Nach Westerwelles Worten will die Arabische Liga den Sicherheitsrat am Dienstag über die Lage in Syrien informieren.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum