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Mehr als 30 getötete Zivilisten
UNO untersucht Nato-Luftangriff im Norden Afghanistans

UNO untersucht Nato-Luftangriff im Norden Afghanistans
Bei einem Luftschlag der Naot kamen zahlreiche Unschuldige ums Leben. Die Vereinten Nationen verlangen eine lückenlose Aufklärung. FOTO: dpa, os moa
Kabul. Vorläufige Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass bei einem Luftangriff der Nato in der Provinz Kundus mindestens 32 Zivilisten getötet und 19 weitere verletzt worden seien, die meisten von ihnen Frauen und Kinder.

Das erklärte die UN-Mission in Afghanistan (Unama) am Sonntagabend. Der Tod von Zivilisten sei "unannehmbar" und untergrabe die Bemühungen "zum Aufbau von Frieden und Stabilität in Afghanistan", kritisierte der UN-Beauftragte Tadamichi Yamamoto. Die internationalen Truppen müssten bei Luftangriffen "alle möglichen Maßnahmen ergreifen", um das Leben von Zivilisten zu schützen.

Nato will Vorfall aufklären

Der Luftangriff am Donnerstag hatte in Kundus für wütende Proteste gesorgt. Trauernde Angehörige trugen die Leichen ihrer getöteten Kinder durch die Provinzhauptstadt. Die Nato bestätigte in einer kurzen Stellungnahme, dass das Bündnis zur Unterstützung der afghanischen Truppen Luftangriffe geflogen habe, und kündigte eine interne Untersuchung an.

Kurz vor dem tödlichen Luftangriff waren bei einem Anti-Taliban-Einsatz in der Provinz zwei US-Soldaten und drei einheimische Sicherheitskräfte getötet worden. Ob zwischen den beiden Vorfällen ein direkter Zusammenhang bestand, blieb zunächst unklar.

Bundeswehr ist abgezogen

Die Ereignisse zeigten jedoch erneut die zunehmende Instabilität in der Provinz Kundus, nachdem die Taliban Anfang Oktober zum zweiten Mal versucht hatten, die strategisch wichtige Provinzhauptstadt zu erobern. Genau ein Jahr zuvor war es ihnen bei einer Blitzoffensive gelungen, Kundus vorübergehend einzunehmen. Die Bundeswehr hatte bis 2013 ein Feldlager in Kundus unterhalten.

Die USA und ihre Verbündeten beendeten Ende 2014 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan und übergaben die Verantwortung für die Sicherheit den afghanischen Sicherheitskräften. Die verbleibenden Nato-Truppen konzentrierten sich seitdem auf Ausbildung, Beratung und Unterstützung von Anti-Terror-Einsätzen.

Afghanische Polizei zu schwach

Mehrere Rückschläge im Kampf gegen die Taliban ließen aber Zweifel an der Schlagkraft der afghanischen Polizei und Armee aufkommen. US-Soldaten beteiligen sich daher seit diesem Jahr wieder direkter am Kampf gegen die Taliban.

(bur/AFP)
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