Einschätzung wurde offenbar bereits vor dem Krieg estellt: US-Geheimdienst: Im Irak droht ein Bürgerkrieg
zuletzt aktualisiert: 16.09.2004 - 18:36Washington/Bagdad (rpo). Bereits vor Wochen hat US-Präsident George W. Bush wohl ein brisantens Papier erhalten. Darin warnen US-Geheimdienste vor Bürgerkriegsszenarien im Irak. Die besondere Brisanz daran: Die Einschätzung wurde offenbar bereits vor dem Irak-Krieg erstellt.
Nach einem Bericht der "New York Times" erhielt Präsident George W. Bush im Sommer ein äußerst pessimistisches Geheimdienstpapier über die Entwicklung der Sicherheitslage im Irak. Im schlimmsten Fall drohe ein Bürgerkrieg, schrieb der Nationale Geheimdienstrat laut "New York Times".
Wie die Nachrichtenagentur AP aus Regierungskreisen erfuhr, beruht die Lage-Einschätzung für den Zeitraum bis Ende 2005 auf Geheimdienstberichten, die noch vor dem Irak-Krieg erstellt wurden. Dies würde die Darstellung Bushs, er habe die Wiederaufbau-Probleme unterschätzt, in neuem Lichte erscheinen lassen. Dennoch kommentierte Bushs Sprecher Scott McClellan das Dokument auf dem Flug zu einer Wahlkampfveranstaltung mit den Worten: "Es stellt das Offensichtliche fest."
Neue Entführungen im Irak
Die Sicherheitsprobleme wurden am Donnerstag durch die Entführung von zwei Amerikanern und einem Briten unterstrichen, die an Dreistigkeit alle bisherigen Geiselnahmen im Irak übertraf: Die Kidnapper schlugen mitten im gewöhnlich schwer bewachten Nobelviertel Al Mansur zu, wie das irakische Innenministerium mitteilte.
Zehn Mann seien im Morgengrauen mit einem Kleinbus vor das Gebäude einer arabischen Baufirma gefahren und hätten die Männer mitgenommen, ohne einen Schuss abzufeuern, sagte Ministeriumssprecher Adnan Abdul-Rahman. Auch ein Auto sei verschwunden. Nach Angaben eines Polizisten hatten sich die drei Ausländer zum Zeitpunkt des Überfalls vermutlich im von einer Mauer umgebenen Garten aufgehalten.
Wie am Donnerstag weiter bekannt wurde, wurden möglicherweise schon vor einigen Tagen drei Schweden im Irak verschleppt. Entsprechende Medienberichte würden geprüft, teilte die Regierung in Stockholm mit.
In der Innenstadt von Bagdad kostete die Explosion einer Mörsergranate einen Menschen das Leben, zehn weitere wurden verletzt. In Bakuba wurde ein schiitischer Lokalpolitiker auf offener Straße erschossen.
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