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US-Gesundheitsreform
Ausgerechnet McCain

Video: Krebskranker John McCain spricht im Senat
Düsseldorf. John McCain war das Zünglein an der Waage. Der krebskranke Senator hat am Dienstag im US-Senat dafür gestimmt, die Debatte um Obamacare zu eröffnen – ein bewegender, aber auch absurder Auftritt. Von Verena Kensbock

John McCain scheint fit zu sein am Dienstagabend im Kapitol, gut drauf sogar. Auf dem Weg zur Abstimmung im Senat winkt er den Kameras zu, hebt den Daumen, zeigt seine frische Narbe über dem Auge. Erst vergangene Woche hat der 80 Jahre alte Senator die Diagnose bekommen: Der Republikaner leidet an einem bösartigen Hirntumor. Ärzte hatten den Krebs entdeckt, als McCain wegen eines Blutgerinnsels über dem Auge operiert wurde.

Eine Stimme mehr gegen Obamacare

Fotos: McCain kommt zur Abstimmung über Obamacare FOTO: rtr, ab/DN

Nur anderthalb Wochen nach der Diagnose ist McCain zurück – um über die US-amerikanische Gesundheitsreform abzustimmen. Der ehemalige Vietnam-Kriegsgefangene reiste dafür nach Washington. Und seine Stimme war das Zünglein an der Waage: Mit einer Mehrheit von 51 zu 50 entschied der US-Senat, eine Debatte um ein alternatives Gesundheitssystem zu eröffnen. Damit ist der erste Schritt zur Abschaffung von Obamacare unternommen.

Schon nach seiner Operation hatte McCain angekündigt: "Zum Unglück für meine Sparringspartner im Kongress werde ich bald zurück sein." Und das hat er mit diesem Auftritt wahr gemacht. Als er hinter dem Rednerpult im Senat steht, nimmt er seine Situation mit trockenem Humor: So viele nette Dinge seien über ihn gesagt worden, dass die anderen Senatoren ihn verwechselt haben müssten.

"Wir bekommen sonst überhaupt nichts geregelt"

Seine Rede ist bewegend, die Situation jedoch absurd. Der krebskranke Republikaner ruft seine Kollegen leidenschaftlich dazu auf, bei allem Streit um die Krankenversicherung wieder überparteilich zusammenzuarbeiten. "Wir bekommen sonst überhaupt nichts geregelt", sagte McCain, die Stiche an der Narbe noch gut sichtbar.

Für wenige Tage werde er in Washington sein und in dieser Zeit an dem Gesetz über die nationale Verteidigung mitwirken. Danach werde er sich wieder in Behandlung begeben und hoffentlich zurückkehren.

 
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