AIG-Bonusaffäre: US-Justiz fordert Kongress zum Handeln auf
zuletzt aktualisiert: 17.03.2009 - 20:07New York (RPO). In der Affäre um die massiven Bonusleistungen beim angeschlagenen US-Versicherungsriesen American International Group (AIG) hat die New Yorker Justiz den Kongress zum Handeln aufgefordert. Der ermittelnde Staatsanwalt Andrew Cuomo sagte, angesichts der Rettung von AIG mit Steuergeldern seien die Prämienzahlungen "zutiefst falsch".
Er hoffe, dass der Kongress dieses Problem ohne Umschweife angehe, schrieb Cuomo an Barney Frank, den Vorsitzenden des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus.
Mehr als 160 Millionen Dollar Sonderzahlungen
Insgesamt seien mehr als 160 Millionen Dollar (123 Millionen Euro) an Sonderzahlungen geflossen, alleine 42 Millionen Dollar an die zehn meistbedachten Manager. 73 AIG-Angestellte hätten eine Prämie in Höhe von mindestens einer Millionen Dollar erhalten. Dieses Geld sei Mitarbeitern gezahlt worden, deren Leistung zu den niederschmetternden Verlusten und dem Beinahe-Bankrott von AIG geführt hätten, schrieb Cuomo.
Elf Manager hätten den Konzern mittlerweile verlassen, obwohl sie Sonderzahlungen von mehr als einer Millionen Dollar eingestrichen hätten, hieß es in dem Brief weiter. AIG-Chef Edward Liddy hatte zuvor die Prämien mit der Begründung gerechtfertigt, nur so die besten Mitarbeiter halten zu können. Das Unternehmen macht zudem geltend, dass die Bonuszahlungen vertraglich vereinbart worden seien.
Die US-Regierung war dem Versicherer schon im September zur Seite gesprungen und hatte ihn damals vor der Pleite gerettet. Seitdem hat AIG rund 180 Milliarden Dollar an Staatshilfen erhalten und wurde dafür unter staatliche Kontrolle gestellt. Der republikanische Senator Charles Grassley riet der AIG-Führung in einem Interview mit einem Radiosender in seinem Heimatstaat Iowa, "zurückzutreten oder sich umzubringen".
Obama will Zahlungen stoppen
Obama zeigte sich am Montagabend in Washington erzürnt darüber, dass AIG an seine Manager 165 Millionen Dollar an Bonuszahlungen ausschütten will, während der Konzern Staathilfen von inzwischen mehr als 170 Milliarden Dollar in Anspruch nimmt. Obama kritisierte das AIG-Management als rücksichtslos und gierig.
"Hier geht es nicht nur um Dollars und Cents, sondern um unsere grundlegenden Werte", sagte der US-Präsident. Er habe Finanzminister Timothy Geithner angewiesen, nach rechtlichen Mitteln zu suchen, um die Bonuszahlungen zu stoppen.
Anfang März hatte AIG bekanntgegeben, Ende 2008 den größten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte gemacht zu haben. Das Unternehmen, das mit voller Wucht von der Finanzkrise getroffen wurde, verlor im vierten Quartal 2008 rund 61,7 Milliarden Dollar. Der AIG-Konzern ist in 130 Ländern vertreten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum