Afghanistan: US-Militär startet Großoffensive gegen Taliban
zuletzt aktualisiert: 02.07.2009 - 11:06Helmand (RPO). In der südafghanischen Unruheprovinz Helmand hat das US-Militär am Donnerstagmorgen eine Großoffensive gegen die Taliban gestartet. Im Schutz der Dunkelheit brachten gepanzerte Fahrzeuge und Transporthubschrauber in der Nacht zum Donnerstag rund 4.000 Soldaten in Dörfer des Gebiets, das bislang von den Taliban kontrolliert wurden.
In Rahmen der größten US-Offensive seit Vietnam wollen die US-Streitkräfte diese Regionen vor der Präsidentenwahl im August zurückgewinnen, um die Fundamentalisten und den Drogenanbau zurückzudrängen. Die Offensive, an der auch etwa 650 afghanische Sicherheitskräfte beteiligt sind, trägt den Namen Khanjar ("Schlag des Schwertes"). Die knapp 4.000 Marineinfanteristen sind erst im Zuge von US Präsident Obamas neuer Strategie nach Afghanistan verlegt worden.
Transporthubschrauber setzten in der Nacht hunderte Soldaten in der Ortschaft Nawa ab, rund 30 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Laschkar Gah. In dem Gebiet waren zuvor niemals US- oder NATO-Truppen in größerer Zahl im Einsatz gewesen. Bei Tagesanbruch gab es erste Schusswechsel, aber noch keine größeren Gefechte. "Wir schaffen hier eine neue Grundlage. Wir gehen an Orte, an denen noch niemand vorher war", sagte Hauptmann Drew Schoenmaker, der ein Regiment Marineinfanteristen kommandiert.
Streitkräfte wollen Gebiet langfristig zurückgewinnen
Der Gouverneur von Helmand, Gulab Mangal, begrüßte den Einsatz. Damit werde für die örtliche Bevölkerung Sicherheit geschaffen, und diese könnten ihrer Arbeit künftig in Frieden nachgehen, sagte Mangal. Helmand gilt als Hochburg der Taliban und ist die weltgrößte Opium-Produktionsstätte. Der Mohnanbau gewährt den Bauern ein sicheres Einkommen, das Geld aus der Drogenproduktion fließt nach Ansicht der internationalen Truppen jedoch großteils in die Hände der Taliban.
Vertreter der US-Streitkräfte betonten, es gehe darum, die Gebiete langfristig zu sichern. "Wo wir hingehen, werden wir bleiben. Und wo wir bleiben, werden wir das Gebiet halten und auf einen Übergang der Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Streitkräfte hinarbeiten", erklärte Brigadegeneral Larry Nicholson von den US-Marineinfanteristen. Militärsprecher Bill Pelletier sagte, es gehe darum, lange genug zu bleiben, dass sich afghanische Institutionen etablieren könnten. "Wir wollen nicht, dass uns die Menschen in der Provinz Helmand als Feinde sehen. Wir wollen sie vor dem Feind schützen."
Obama hat eine Verstärkung der Truppen bis zur Wahl am 20. August um rund 21.000 Soldaten angekündigt. Bis Jahresende soll die Gesamtzahl der US-Soldaten in Afghanistan auf 68.000 steigen - nahezu eine Verdoppelung im Vergleich zum Stand unter Expräsident George W. Bush.
Pakistaner sehen Taliban als Bedrohung
81 Prozent der Pakistaner betrachten die Taliban laut einer Umfrage als bedeutende Bedrohung des Landes. Dies deutet auf einen Stimmungsumschwung in der Bevölkerung hin, denn im September 2007 sahen lediglich 34 Prozent der Befragten in den Taliban eine solche Bedrohung. Damit steht die Bevölkerung mehrheitlich hinter dem Vorgehen der Regierung in Islamabad gegen die Extremisten.
Die pakistanischen Streitkräfte kämpfen im Swat-Tal im Nordwesten des Landes sowie in Nord- und Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan gegen die Taliban. Die Militäraktion trieb seit April zwei Millionen Menschen in die Flucht. Trotz der Flüchtlingsproblematik erklärten 68 Prozent der Befragten, sie hätten Vertrauen in das Vorgehen der Regierung in Swat. 70 Prozent erklärten, sie stünden auf der Seite der Regierung. Nur fünf Prozent äußerten Verständnis für die Taliban.
Befragt wurden für WorldPublicOpinion.org in der zweiten Maihälfte 1.000 Bürger im ganzen Land. WorldPublicOpinion.org ist ein Projekt von Forschungszentren in aller Welt, das von der Universität von Maryland in den USA geleitet wird.
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